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WM 2026 – Wollen wir uns das wirklich antun? Eine Diskussion aus Fansicht.

In wenigen Stunden soll nun bekannt gegeben werden, wer die Weltmeisterschaft 2026 ausrichten soll.

Eine Mega-WM soll es werden, denn 48 Teilnehmer sind längst beschlossen. Doch wo soll das Aufeinandertreffen der besten Nationen im Fußball in 8 Jahren stattfinden?

Dazu liegen den stimmberechtigten FIFA- Mitgliedsländern zwei Bewerbungen vor.

Als erster Kandidat wurde United 2026 bekannt gegeben, ein Gemeinschaftsprojekt der USA, Mexiko und Kanada.

Am liebsten hätten die 3 Verbände den Zuschlag schon im vergangenen Jahr bekommen, doch die FIFA lehnte ab und bot weiteren Interessieren eine Möglichkeit zur Bewerbung.

Marokko bewarb sich schließlich ebenfalls, weshalb die Entscheidung wahrscheinlich zwischen diesen beiden Kandidaturen fallen wird. Einzig wenn keiner der beiden Kandidaten die einfache Mehrheit erreicht, werden neue Bewerber um die Ausrichtung buhlen. Die beiden jetzigen Bewerber wären dann nicht mehr berechtigt sich erneut zu bewerben.

Wir sind eine US- Fußballseite und natürlich lieben wir den US- Fußball. Trotzdem wollen wir im nachfolgenden Teil eine kleine Diskussion darlegen, die von uns aus der Sicht von deutschen US- Soccer Fans geführt wird und vielleicht ein paar besondere Aspekte für und gegen eine Austragung in eine schwierige Frage bringen kann.

Sollten die USA/Mexiko/Kanada die Weltmeisterschaft 2026 austragen dürfen?

Gleich vorab, weil die Diskussion zu diesem Punkt sinnlos und nervig ist, nehmen wir direkt einen Aspekt auf, der immer wieder angesprochen wird. Das Projekt United 2026 wird als klarer Favorit gehandelt, jedoch werden auch Marokko Chancen eingeräumt. Der Grund dafür wird von vielen mit einem Namen benannt: Donald Trump.

Die Einmischung von Donald Trump, in der er Ländern androhte, dass die USA ihre Unterstützung bei den Vereinten Nationen den Ländern, die nicht für United 2026 stimmen, möglicherweise entziehen könne, war ohne jede Frage dumm, sinnlos und gehörte auch überhaupt nicht dazu.

Jedoch ist Donald Trump in der Frage zur WM- Vergabe und Durchführung noch unwichtiger als jedes WM- Maskottchen. Der Mann, der zwar in der High School für eine Saison Fußball spielte (auf der Position des Rechtsaußen), zeigte in den letzten Jahren keinerlei Interesse am Fußball und hat auch von der gesamten Materie United 2026 keine Ahnung. Das bewies er eindrucksvoll in seinem Tweet und wurde von Henry Bushnell deutlich gemacht.

Noch wichtiger ist jedoch, dass der im Jahr 2026 79 Jahre alte Donald Trump zur Zeit der Weltmeisterschaft gar kein Präsident mehr sein kann. Wer also einzig aus dem Grund gegen das Projekt votet, um Trump eines auszuwischen, beweist politische Unwissenheit und Ignoranz gegenüber den Staaten Mexiko und Kanada, im übrigen auch dem US Verband, der für die Entgleisungen des Präsidenten ebenfalls nichts kann.

Vom Faktor Trump abgesehen gibt es einen zweiten Punkt, der in Diskussionen oftmals negativ genannt wird.

Vermeintlich fehlende Tradition.

Wie auch in dieser Diskussion kann von den Thesenaufstellern dann jedoch nie konkretisiert und ausgeführt werden, was genau unter dieser Tradition verstanden wird und inwiefern sich der US Soccer in dieser Frage vom marokanischen Fußball großartig unterscheidet.

Vielen ist eben nur die MLS bekannt, die als Bedingung die WM 1994 austragen zu dürfen, gegründet wurde.

Dass der US Fußball aber ebenfalls eine lange Geschichte hat ist eigentlich allen unbekannt.

Aus diesem Grund empfehlen wir unseren ersten Teil in der Geschichte des US Soccers zu lesen.

Genau dieser Punkt bringt uns jedoch zu einem der großen und wenigen Negativpunkt in der Frage, ob United 2026 die WM austragen sollte.

Wollen wir uns das als deutsche US Soccer Fans wirklich einen Monat lang antun?

Wollen wir uns wirklich falsche und unwissende, dafür aber mit Arroganz gepaarte Kommentare von deutschen Fans und Medien über den US Fußball antun?

Beginnen wir mit deutschen Fußballfans, von denen sich einige sehr gern über US Fußball äußern, ganz offensichtlich noch nie oder zuletzt 1996 irgendein Spiel eines US-amerikanischen Clubs gesehen haben. Vielleicht haben sie auch zufällig mal ein Spiel auf Eurosport gesehen, bei dem sie ein Kracher wie die Colorado Rapids gegen DC United erwartete. Dass beide Teams seit Jahren ihr Leben in der unteren Tabellenhälfte verbringen und kein Maßstab für eine Liga mit derzeit 23 Teams sind, wird dabei oftmals nicht in Betracht gezogen. Ähnlich repäsentativ dürfte da ein Spiel vom 1.FC Köln gegen den HSV in der Mitte der Saison sein.

Nichtstestotrotz glauben einige deutsche Fußballfans alles über Fußball zu wissen. Interessanterweise wird sich jedoch eher selten über Mexiko, Kanada oder Japan in den Kommentarspalten der sozialen Netze verständig, während der US-Fußball häufig eine Rolle spielt und seit ziemlich genau 22 Jahren die gleichen Kommentare zu hören bekommt.

Besonders häufig kommt dann ungefragt der Vergleich der MLS nach ihrem Liganivau. Fröhlich plappert man sich gegenseitig nach, dass die US-amerikanische Profiliga maximal Regionalliganiveau hätte (warum kommen dann aber nicht etliche Regionalligaspieler in die MLS und verdienen ordentlich Geld?), so richtige Vergleichswerte für diese Behauptung gibt es dann aber nicht.

Und außerdem ist der Fußball in den USA nur ein laues Lüftchen im Vergleich zum Football, Basketball, Hockey und Baseball. Das auch das Unsinn ist, sollte eigentlich längst jedem bekannt sein, ansonsten empfehlen wir einen Blick hier hin.

Ein weiterer Punkt, der bei einigen Fans eine regelrechte Schnappatmung verursacht, ist das Wort Soccer. Ein historischer Begriff, der im Anglizismus weit häufiger verwendet wird, als das britische Pendant Football. Auch der DFB nutzt Soccer als selbstverständlichen Begriff und bezeichnet offiziell das professionelle FIFA spielen als E-Soccer. Außerdem wird „Soccer“ auch oft für Indoorfußball benutzt. Zahlreiche Beispiele dazu findet man schnell in Deutschland , wie Soccer Halle, Hall of Soccer oder Hilsoccer.

Wollen wir uns eine Stümperhafte oder ignorante Berichterstattung antun müssen?

Ähnlich wie bei den deutschen Fans scheint auch die deutsche Sportmedienlandschaft in einem Kreisel aus den immer gleichen Phrasen und Berichten zu bestehen.

Aus diesem Grund veröffentlichten wir vor einigen Wochen ein Bullshitbingo über die Berichterstattung der MLS – oder MSL, wie sie gern von einigen deutschen Redaktionen genannt wird.

Jene Schlagwörter, von denen immer mindestens zwei in einem Artikel vorkommen müssen, machen die stümperhafte Berichterstattung deutlich. Anstatt einen Bericht über Alphonso Davies zu schreiben, der völlig verdient nach dem letzten Spieltag Spieler der Woche wurde, weil der gerade erst 17jährige mit 3 Vorlagen und 1 Tor ein unglaubliches Spiel hinlegte, wird lieber innerhalb weniger Tage mehrfach über Schweinsteiger berichtet, der sein 2. Saisontor im 15. Spiel der Saison geschossen hat.

Solange Redaktionen tun, als sei „der Ami“ erst vor 5 Minuten auf den Fußball aufmerksam geworden und dort nun versuchen würde verzweifelt eine Bedeutung in dem Sport zu erlangen, steht die deutsche Berichterstattung auf einer Stelle, auf der sie 2000 bereits stand.

Und ja, der amerikanische Fußball mit seinber 150jährigen Tradition hat sich gewandelt und entwickelt. So wie es auch der deutsche und der britische Fußball getan hat.

Beide Gruppen, Fan und Medien, werfen mit Platitüden und Kalauern umher, behandeln alles, was nur irgendwie mit den USA und Fußball in Verbindung steht, mit einer argwöhnischen Distanz, Arroganz und Stiefmütterlichkeit, dass es schon fast wieder beeindruckend ist.

Für Menschen, die sich mit dem US Fußball mehr beschäftigen würde das eine katastrophale Zeit werden.

Eine Belohnung für die Arbeit der letzten 24 Jahre Arbeit

Selbstverstandlich gibt es auch Argumente, warum die Weltmeisterschaft an United 2026 vergeben werden sollte.

Zum einen ist da natürlich der positive Aspekt, dass sich Verbände zusammengeschlossen haben und gemeinsam dieses Projekt stemmen wollen und können. Gerade die USA und Mexiko stehen oft in sportlicher Konkurrenz zueinander und Länderspiele gegeneinander sind meist sowohl für die Teams, wie auch die Fans intensiv. Gemeinsam das Projekt durchführen zu können, wäre für alle drei Verbände ein guter Schritt für eine langfristigere Zusammenarbeit.

In Anbetracht der Entwicklung in den USA wäre eine erneute Vergabe der Spiele nach 1994 außerdem eine Belohnung für die gute Arbeit seit dem.

Die MLS wuchs von 10 Teams auf künftig mindestens 26 Teams an und wird auch in den kommenden Jahren weiter expandieren. Das Zuschauerinteresse und das Interesse selbst zu spielen in den USA enorm angestiegen und wird in wenigen Jahren ganz offiziell (in den Altersklassen bis 53 Jahren ist das längst passiert) Baseballk aus den Big 4 ablösen. Teams aus der Bundesliga und Premier League suchen mittlerweile gern nach neuen, jungen Talenten in den Jugendakademien der MLS Teams und viele Teams aus europäischen Top-Ligen haben längst das Fanpotential auf dem amerikanischen Markt für sich entdeckt.

Die Infrastruktur

Anders als in Marokko ist die Infrastruktur an Stadien längst vorhanden. Für die WM müsste kein Stadion neu gebaut werden und sie werden vorher und nachher auch weiterhin genutzt werden.

Die genaue Liste der Stadien findet sich hier.

Die Stadien haben ohne Probleme die nötige Kapazität für eine Weltmeisterschaft und sind längst Großevent erprobt.

Auch die gesamte zusätzliche Infrastruktur ist in den Städten längst vorhanden und würde organisatorisch kein Problem darstellen. Man hat die nötigen Hotels, Tagungszentren, Trainingsplätze und Transportmöglichkeiten.

Wenig überraschend stellt die Bewerbung von United 2026 für die FIFA kein Risiko da und wurde mit 4 von möglichen 5 Punkten im Prüfbericht erfasst. Marokka dagegen kam lediglich auf 2,7 Punkte, was u.a. an der fehlenden Infrastruktur, aber auch weiteren Risikofaktoren liegt.

Der Faktor Megaturnier

48 Teams spielen in 16 Gruppen mit je drei Mannschaften in der Vorrunde gegeneinander. Nicht nur für die FIFA wird das ein neuer Spielmodi sein, sondern auch für diejenigen, die das Turnier austragen werden.

Für die USA, Mexiko und Kanada wird die Organisation zweifelsfrei kein Problem sein, für MArokka dagegen stellt sich genau das aber als die womöglich größte Herausforderung vor, den zu der fehlenden Infrastruktur muss eben auch die Organisation eines solchen Turniers beachtet werden. Im Falle von Marokka wäre bei dieser Frage eine gemeinsame Ausrichtung mit Portugal und Spanien wohl eine bessere Wahl gewesen.

Das Thema Geld

Eine WM soll der FIFA letztenendes auch Geld in die Kassen bringen. Laut der Bewerbung von United 2026 wird man 14,3 Millarden US Dollar einspielen. Bei Marokka geht in seiner Bewerbung von 7,2 Milliarden US Dollar aus.

Auch wenn dieser finanzielle Punkt natürlich aus Fansicht keine Rolle spielt, soll er dennoch erwähnt werden, denn für die FIFA dürfte das ein durchaus wichtiger Punkt sein.

Anstoßzeiten

Ein Argument, dass man immer wieder in deutschsprachigen Kommentaren liest: Man wäre für Marokko, weil dort die Zeitverschiebung nur 2 Stunden beträgt. Abgesehen davon, dass das eine rein eurozentristische Argumentation ist, dürften sich nach dieser einfach keine Länder mehr aus dem CONCACAF, CONMEBOL, östlichen AFC und dem OFC Raum bewerben, weil der europäische Fußballfan dann womöglich nicht seine gewünschte Anstoßzeit bekommen könnte.

Diese Art der Argumentation ist nicht nur lächerlich, sondern auch völlig ignorant allen anderen Gegenüber.

Als US Soccer Fan weiß man, dass es problemlos möglich ist auch Spiele zu normalen Zeiten sehen zu können und bei der WM 1994 wurde der europäische Markt diesbezüglich natürlich berücksichtigt und die Anstoßzeiten so gestaltet, dass alle damit umgehen konnten.

Das Zuschauerinteresse

Spätestens nachdem die FIFA die offiziellen Zahlen an verkauften Tickets veröffentlicht hatte, sollte jedem klar sein, dass die Amerikaner Fußballinteressiert sind und besonders bei Weltmeisterschaften dabei sein wollen.

Für die WM in Russland, bei der das US-amerikanische Team sich nicht qualifiziert hat, landeten die USA mit 88.825 verkauften Karten dennich auf Platz 2 hinter Russland. Mexiko befand sich mit Platz 6 ebenfalls in den Top 10 und steht für 60.302 verkaufte Karten.

Ein Fazit

Die vernünftigen Gründe sprechen natürlich deutlich für die USA, denn das Konzeot ist besser, weiter und nachhaltiger. Besonders bei Entscheidungen zur WM Vergabe wissen wir aber längst, dass Vernunft nicht immer der wichtigste Punkt ist. Aus diesem Grund findet die WM 2022 auch in einem Wüstenstaat statt, in dem die Bauarbeiter der Stadien im Prinzip keine Rechte haben.

Wir sind gespannt, wie sich die Verbände entscheiden.

Wer aktuell sein möchte, kann dies im Liveticker der NY Times sein.

Und nun sind wir gespannt auf eure Meinungen. Was sind eure Argumente und für wen würdet ihr Stimmen? Schreibt uns bei US Soccer News auf Facebook oder bei Box2Box auf Twitter.

EDIT: Die Entscheidung ist gefallen.

WM 2026 geht an die USA, Mexiko und Kanada
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