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Fußball in Nordamerika

Die Mehrheit der internationalen Fußballfans hat wohl nur die große Vorzeigeliga der USA im Blick.

Die Major League Soccer hat eben seit ihrer Debütsaison 1996 einige weltweite Stars nach Nordamerika gespült, darunter Carlos Valderrama, David Beckham & Thierry Henry in der Vergangenheit bis hin zu Sebastian Giovinco oder den Dos-Santos-Brüdern in der Gegenwart.

Dabei lohnt es sich, über den Tellerrand hinauszublicken, denn der US-amerikanische Fußball bietet viel mehr als nur 22 Teams. Ohne Auf- und Abstieg im US-Fußball gestaltet sich die Recherche allerdings tiefgründiger.

Seit 2017 werden sowohl die North American Soccer League (NASL) als auch die United Soccer League (USL) vom US-Verband als „2.Liga“ aufgeführt. Da die NASL mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, in der letzten Sekunde jedoch gerettet wurde, rückte die USL auf der Relevanzleiter des US-Verbandes von Liga 3 zu Liga 2 auf, um auf ein zukünftiges Ableben der NASL vorbereitet zu sein. Umso interessanter ist das Konkurrenzgeschäft, das zwischen beiden Ligen vorherrscht. Bekanntlich sieht es kein Verantwortlicher gerne, seine Liga auf der gleichen Stufe mit einer anderen zu sehen.

Insbesondere die NASL startete 2011 mit großen Ambitionen: man möchte den Glanz der Vorgängerliga aus den 70ern wiederaufleben lassen. Damals belebten Franz Beckenbauer oder Pelé, heute beleben Juan Arango oder Amauri mit New York Cosmos das US-Fußballgeschehen.

2015 stellten die Verantwortlichen dieser Liga ihre Machtansprüche eindeutig unter Beweis: Anschuldigungen an den US-Verband wurden laut, die MLS als alleinige 1.Liga etablieren zu wollen. Konkurrenz im eigenen Land? Im europäischen Fußball wäre das undenkbar. In den USA soll die NASL eine attraktive Alternative zur MLS werden, auch wenn das Geld oder die Zuschauer mancherorts fehlen. Neben New York Cosmos dominiert mit Miami FC ein anderer Verein derzeit die Liga. Für die Liga sprechen die Erfolge des Frühlingsmeisters 2017 im US-Pokal gegen u.a. MLS-Club Orlando City.

Aus großen Brötchen sind mittlerweile kleinere Brötchen geworden. Viel lieber wäre man eine Konkurrenz zur MLS als zur USL geworden. Eigentlich als Entwicklungsliga sämtlicher MLS-Clubs gedacht, lockt auch sie in der Zwischenzeit Spieler von internationalem Format in die Staaten. Jüngst wechselte Marcel Schäfer von Wolfsburg nicht etwa in die MLS, sondern zu den Tampa Bay Rowdies in Liga 2. Dort misst sich Schäfer nun mit Teams wie Phoenix Rising FC mit Didier Drogba und Shaun Wright-Phillips, der zweiten Mannschaft von LA Galaxy oder dem FC Cincinnati, der mit regelmäßigen Zuschauerzahlen jenseits der 10000er Marke Rekorde en mas auf diesem Niveau ein- und aufstellt. Chicago Fire und der Columbus Crew wird dieser Vereinsname durchaus ein Begriff sein. Beide kamen im Pokal gegen das USL-Team, in dem beispielsweise auch der Deutsche Kevin Schindler sein Geld verdient, unter die Räder.

Gespannt schauten NASL und USL deshalb auf das Viertelfinalspiel des US Open Cups.

Miami FC traf am 03.August 2017 auf den FC Cincinnati im Riccardo Silva Stadium, zu einem Spiel, das kein gewöhnliches Fußballspiel war. Vielmehr waren die Augen des US-Verbandspräsidenten auf dieses Duell gerichtet, um herauszufinden, welche Liga denn nun als würdiger dauerhafter Verfolger der MLS in Frage käme. Das Spiel endete 0-1 für Cincinnati und das USL Team buchte sich damit sein Ticket für das Halbfinale.

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