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Stadionbesuch in Los Angeles: familiäre, nasse und atemberaubende Atmosphäre

Los Angeles, die zweitgrößte Stadt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Seit der Gründung der MLS im Jahre 1996, spielt dort Los Angeles Galaxy die immer wieder mit ehemaligen Topstars Europas für Schlagzeilen sorgen. Gut, zwischenzeitlich spielten die Chivas USA, von 2004-2014, auch in LA, aber dieses Franchise war eher ein Reinfall und wurde nach zehn Jahren wieder aufgelöst. Diese Latino-Fanbase nutzte man 2017 um mit dem neugegründeten Los Angeles FC in der kalifornischen Metropole ein neues Team zu etablieren.

BIER!

Nun war ich mit einem Kumpel Ende Oktober auf einem Kalifornien-Roadtrip von San Francisco nach San Diego. Am 30.10.2019 ließ ich es mir nicht entgehen mein erstes MLS Spiel live zu schauen, da ich ein großer Fan von dieser Liga bin. Somit kaufte ich mir ein Ticket für das MLS-Playoff Western Conference Finale LAFC – Seattle Sounders. Ich buchte in der Secton 209, Row M, Seat 4 für umgerechnet 64 €. Vormittags sahen wir uns Hollywood und den Walk of Fame an, bis ich mich um 11 Uhr auf den Weg zum Stadion machte. Ich stieg am Hollywood Boulevard in die U-Bahn ein, die Richtung Exposition Park unterwegs war. Dort im neben dem Banc of California Stadium steht die Los Angeles Memorial Sports Arena mit dem Los Angeles Memorial Colosseum das 1932 und 1984 die Olympischen Spiele ausrichtete.

Die Fans: so anders, aber dennoch ähnlich

Auf der U-Bahn Strecke musste ich einmal umsteigen. Ich sah dann schon die ersten LAFC Fans und folgte sie sicherheitshalber einfach mal, bevor ich irgendwo falsch einsteige. Die Fans sollten normal das gleiche Ziel haben wie ich. Somit war ich um 12 Uhr und 22 Grad bei der Bahn Stadion Expo Park/USC und musste noch 5 Minuten zum Stadion laufen. Dabei lief man durch das California Science Center, wo man nochmal auf die Toilette konnte. Dann war vor dem Stadion eine Wiese im Exposition Park, wo auch die älteste Palme in Los Angeles steht. Dort auf der Wiese versammelten sich zu meiner Überraschung viele Fans und warteten auf das Gate Opening, das um 13:30 Uhr war. Dort waren viele Familien, die Pavillons mitbrachten und diese dort aufstellten und manche dabei noch ihre Grills aufbauen und Würstchen, Steaks sowie Maiskolben grillten. Das roch unglaublich lecker.

Die Wiese mit den Pavillons & den Kindern

Die Kinder spielten in der Wiese davor Fußball und einige Gruppen standen nur im Kreis mit Dosenbier in der Hand und erzählten miteinander. Das war eine wunderschöne Stimmung, in der man nicht auf ein so wichtiges Fußballspiel kommen könnte, wenn man es sieht. Alle waren gut drauf und ich trug mein authentic LAFC Jersey, das ich mir einen Tag davor im Fanshop des Stadions für umgerechnet 130 € kaufte. Mein Kumpel war nicht dabei, er wollte mich aber nach dem Spiel mit dem Mietwagen abholen. Das Stadion ist mit dem Auto gut zugänglich. Ich ging dann noch zu einem kleinen offiziellen Fanshop außerhalb des Stadions und kaufte mir noch einen Schal für 30 €, da ich gerade so gut in Stimmung war. Fanmärsche gibt es bei den Fans bei Heim- sowie Auswärtsspielen, aber bei Heimspielen eher nur wenn es eine besondere Partie ist, wie das Stadtderby gegen LA Galaxy. Ich wartete auf dann auf Steven, mit ihm hab ich schon in Deutschland ausgemacht das wir uns am Stadion treffen, er ist damals in die USA ausgewandert, wohnt jetzt dort und besitzt eine Dauerkarte bei den LAFC Ultras. Unter der überwiegend Latino-lastigen Fanbase erkannte ich ihn an seinen blonden Haaren recht schnell und ich lernte noch ein paar amerikanische Freunde von ihm kennen. Ich bekam ein zwei Bier und wir quatschen übers Spiel und meine bisherige Reise. Zudem erfuhr ich, dass es in der Nähe eine Bar namens „Banditos“ gibt, die sehr gut sein soll. Steven sagte mir dann ich könnte auch mit zu ihm in den Stehbereich hinters Tor gehen zu den Ultras und bei diesem Angebot sagte ich nicht nein. Er empfahl mir auch das 22.099 kleine aber feine Stadion mal anzuschauen und soll dort einmal rumlaufen.

Mein Auto

Das tat ich auch und es hat sich gelohnt. In einem der Gänge stand ein neuer Porsche zur Ausstellung, was man im deutschen Stadion sich nicht vorstellen kann. Im Allgemeinen waren die Gänge geschlossen und nicht wie in den meisten deutschen Stadion nach außen hin offen. Es war auch alles sehr sauber und der Fließenboden glänzte und somit entstand der Eindruck ich liefe durch eine Messehalle anstatt durch ein Stadion. An einer Essenausgabe holte ich mir für 8 € einen Hot Dog. Während ich dieses amerikanische Gericht verdrückte, stand ich an einem berühmten Fotospot, den jeder MLS Fan kennen sollte. Das Stadion hat in der Kurve einen großen Haupteingang, wo darüber der Schriftzug Los Angeles Football Club steht. Wenn man jetzt an der gegenüberliegenden Kurve stand, wo ich mich mit meinem Hot Dog gerade befand, sieht man diesen Eingang inklusive Schriftzug und vier hohen Palmen. Das war einfach wunderschön, bis mich ein einzelner Fan ansprach, ob ich nicht von ihm ein Foto mit der Aussicht machen könnte. Somit quetsche ich meinen Hot Dog in den Mund, putze kurz die Finge aus Hektik an meiner weißen Hose ab, nahm sein Handy und machte das Bild. Er bedankte sich bei mir freundlich und ging weiter. Im Allgemeinen sind die Amerikaner ein echt nettes Volk. Ich schaute dann noch die Aufstellungen an. Beim Heimteam spielte der Star des Teams, ein gewisser Carlos Vela den man vom FC Arsenal und Real Sociedad aus Europa kennen sollte. Er kämpft noch um den Torschützen Award. Auf der Bank saß der deutsch-mexikanische Ersatztorhüter Pablo Sisniega, sonst spielen im Kader vom ehemaligen US Nationaltrainer Bob Bradley keine bekannten Spieler aus Europa. Aber einen Latif Blessing, Diego Rossi, Brian Rodriguez und Eduard Atuesta sollte man mal im Auge behalten. Bei den Seattle Sounders kennt man vielleicht einen Jordan Morris, der mal bei Werder Bremen ein Probetraining hatte und jetzt bei dem Team aus Washington ein Star ist. Auch Joevin Jones ist für den ein oder anderen ein Begriff, da er mal bei Darmstadt 98 unter Vertrag war, Nicolas Lodeiro ist vielen auch ein Begriff den man bei Weltmeisterschaften von Uruguay kennt. Im Tor steht der Schweizer Stefan Frei, der in Seattle schon eine Legende ist. Wenn man mal beobachten könnte, wäre Christian Roldan (auch CR7 gennant). Das sollte ein echt ausgeglichenes Spiel werden, wo der LAFC durch die starke regular Season der leichte Favorit ist.

Der wunderschöne Blick aufs Stadion

Als ich meine Runde gedreht hatte, holte mich Steven ab und wir gingen um 14:30 Uhr zu unsern Stehplätzen, das Stadion ist heute ausverkauft. Dort erfuhr ich das die Fans vor dem Spiel mehrere Becher Bier bunkerten, da dieses vor Anpfiff nur 4 USD kostet und der Preis, dank den strengen Alkoholgesetze in den USA auf 12 USD für domestic und 14 USD für import steigt. Zudem soll ich wenn ein Tor fällt auf keinen Fall meinen Becher festhalten sondern ihn in die Luft schütten. Bierduschen haben dort ihre Daseinsberechtigung. Die Fans sangen und trommelten eine dreiviertel Stunde vor Anpfiff schon, wie man es aus Deutschland gewohnt ist. Ein paar Seattle Fans haben sich im Gästeblock auch schon versammelt. Mir fiel auf das bei den Ultras sehr viele Frauen dabei waren und die ein oder anderen Kinder. Das liegt auch daran, dass es in der MLS viel familiärer zu geht und das gefiel mir echt gut. So langsam wurden auch die Blockfahnen und Banner zu den Fans gebracht und es wurde eine Choreo oder wie es in Amerika heißt: Tifo vorbreitet, sogar eine Deutschland Fahne hab ich endeckt. Zehn Minuten vor Anpfiff war ich richtig gehypted auf das Top Spiel der Western Conference, der Seattle Block war nun auch gut gefüllt. Nun bekamen wir von den Kapos die Anweisungen auf die bevorstehende Tifo. Ich hielt meine schwarze Pappe in die Höhe und der LA Schriftzug aus dem Logo wurde vor uns in die Höhe gezogen während die Spieler aufs Spielfeld liefen. Dann wurden noch ein paar Rauchpyros gezündet um das Ganze zu unterstreichen. Ich zog deshalb meinen zuvor gekauften Schal über die Nase. Dazu sollte man wissen, das in der MLS bzw dem amerikanischen Fußball das zünden von Rauchpyros erlaubt ist, wenn man dafür eine Lizenz hat. Später bekam ich von Freunden die dieses Spiel zu später Stunde in Deutschland schauten noch ein Bild wie diese Choreo aussah. Klein aber fein.

Die Fans waren echt stark. P.S. HANDY WEG BEIM SPIEL!

Der Ball rollt und es wurde laut

Die US Flagge wird bei der Hymne ausgelegt

Es gab dann noch die amerikanische Hymne und dann rollte um 15:30 Uhr der Ball. Die Fans gaben Vollgas und sangen inbrünstig ihre meist spanischen Songs. Im Vergleich zu kleineren Bundesligisten oder zu 2. Bundesliga Teams muss sich der LAFC nicht verstecken. In der 17. Minute hämmerte Eduard Atuesta einen direkten Freistoß ins Gehäuse von Stefan Frei und das Bier regnete. Alle lagen sich in den Armen und es könnte ein fantastischer Fußballabend werden. Die Freude währte jedoch leider nicht lange, denn in der 22. Minute glichen die Sounders dank ihren Star Stürmer Raul Ruidiaz nach einer Lodeiro Vorlage aus. Die Stimmung war wieder leicht getrübt und man wurde auf den harten bevorstehenden Kampf zurückgeholt. Doch es kommt schlimmer, in der 26. Minute schoss Nicolas Lodeiro, dank einer Joevin Jones Vorlage das 1:2 und somit die Führung. Nun war es kurz sehr leise im Block, aber die Fans brabbelten sich schnell und sie feuerten ihr Team wieder aus Leibeskräften an. Es war ein durchaus spannendes Spiel, die Sonne ging im Hintergrund langsam unter und es wurde in der Halbzeit ein bisschen kühl in kurzer Hose. Somit hüpfte ich in der zweiten Hälfte umso mehr mit. 19 Minuten nach Wiederanpfiff schoss erneuert Raul Ruidiaz mit einer Lodeiro Vorlage das 1:3 und der Abend nahm böse Gestalten an.Fünf Minuten vor Ende nahm mich Steven noch runter zur Bande bis an den Spielfeldrand und ich stand fast hinter Stefan Frei. Bei einem Eckball in der Nachspielzeit stand ich sogar neben dem amerikanischen CR7, so nah am Spielgeschehen, das fühlte sich einzigartig an. Leider verlor der LAFC in einem spannenden Krimi mit 1:3 und die Seattle Sounders feierten den Einzug ins MLS Cup Finale gegen den Toronto FC und die Western Conference Meisterschaft. Es gab noch Konfetti und viel Feuerwerk und obwohl ich kein LAFC Fan bin, Sporting Kansas City ist mein Team, fühlte ich mich leer im Magen. Ganz komisch. Nachdem der Rasen langsam leer wurde, bedankte ich mich bei Steven und verabschiedete mich. Draußen aus dem Stadion, sah ich noch die leichte Beleuchtung. Ich machte mich auf den fünf Minuten Marsch zurück zur Bahnstation, wo mein Kumpel mit dem Auto auf mich wartete, ich stieg ein und wir machten uns auf den Weg zurück zur Unterkunft.

Die Siegesfeier inkl. fetter Pyro von Seattle

Fazit: Es war ein unvergesslicher Moment, auch wenn es teuer war, aber für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Das sich die Fans vor dem Spiel treffen, alle haben Spaß und amüsieren sich, das hat mich sehr überrascht und fand es super. Der Support im Stadion war richtig stark und zeigte, dass sich die Fankultur in den USA verbessert hat. Das Spiel war echt spannend, auch wenn es nicht optimal verlief.

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