MLS Playoffs 2025 – Zwischen Ernüchterung und Euphorie

Die MLS Playoffs sind fast beendet – das Finale steht an, danach wird es einen neuen Meister geben.

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Die MLS-Playoffs 2025 boten ein komplexes Leistungsbild: Traditionell starke Teams blieben hinter den Erwartungen zurück, während neue oder lange unterschätzte Mannschaften signifikant überperformten. Die Playoffs zeigten erneut, dass der MLS-Modus Variabilität begünstigt, aber eben auch klarmacht, welche Teams taktisch und individuell tatsächlich reif für die entscheidenden Momente sind. Und über allem steht eine Mannschaft, die in dieser Postseason kaum zu stoppen scheint.

Schon vor dem Start der Playoffs gab es erste Zeichen, dass diese Saison anders verlaufen würde als noch 2024. Der amtierende MLS-Cup-Sieger LA Galaxy verpasste die Endrunde komplett – ein Rückschlag, der die Unstetigkeit im Kader und die Formkrise wichtiger Leistungsträger offenlegte. Besonders Offensivmann Joseph Paintsil blieb unter den Erwartungen, während Riqui Puig nach seinem Kreuzbandriss die Saison über fehlte und das Team auch keine richtige Antwort auf einen möglichen Ersatzmann fand. Auch der Abgang von Dejan Joveljić wurde nicht angemessen beantwortet, sodass LA Galaxy (fast) die ganze Saison über blas blieb.

Nicht minder überraschend war das frühe Aus des Supporters’-Shield-Gewinners Philadelphia Union. Nach einer herausragenden Regular Season scheiterte das Team im Conference Semifinal – vor allem, weil wichtige Offensivspieler wie Mikael Uhre und Tai Baribo kaum Akzente setzen konnten und Union im Verteidigung ungewohnt instabil agierte. Das Ergebnis: ein abruptes Ende einer eigentlich verheißungsvollen Spielzeit.

Den gegensätzlichen Weg nahm Expansion-Team San Diego FC, das sich eindrucksvoll in der Liga etablierte. Angeführt von Starspieler Hirving Lozano, einem der prägendsten Neuzugänge der Saison, erreichte San Diego völlig unerwartet das Western Conference Final. Ähnlich wie Lozano überzeugte außerdem auch Anders Dreyer mit Tempo, Entschlossenheit und Leadership und brachte zusätzlich die notwendigen Tore in den Momenten, in denen sie benötigt wurden.

Doch die vielleicht größte Überraschung der gesamten Postseason kam aus Vancouver. Die Whitecaps, in der Regular Season zwar stark, spielten sich mit einer bemerkenswert reifen und taktisch klaren Identität bis ins MLS-Cup-Finale. Stürmer Brian White traf in entscheidenden Momenten eiskalt, während Spielmacher Ryan Gauld konstant kreative Impulse setzte. Im defensiven Mittelfeld erwies sich Andrés Cubas als unverzichtbarer Abräumer, der das Zentrum für Vancouver stabilisierte, und Torhüter Yohei Takaoka glänzte mit beeindruckender Ruhe und Reflexstärke. Vancouver hat sich sowieso in dieser Saison sehr gut weiterentwickelt – Sebastian Berhalter macht weiterhin auf sich aufmerksam und natürlich, der deutsche Neuzugang Thomas Müller hilft dem Team nicht nur taktisch und spielerisch, sondern wirkt auch wie ein moralischer Booster. Der Sieg gegen San Diego im Conference Final war der Beweis: Vancouver ist kein Zufallsgast im Endspiel, sondern ein taktisch geschliffenes Team mit hohem Effizienzfaktor.

Im Osten jedoch dominierte ein Klub die Schlagzeilen wie kein zweiter: Inter Miami CF. Die Mannschaft um Lionel Messi zeigte eine nahezu fehlerfreie Postseason, geprägt von offensiver Kreativität und taktischer Reife. Bereits im Best-of-Three-Duell gegen Nashville setzte Miami ein Ausrufezeichen, ehe im Halbfinale ein 4:0 gegen Cincinnati folgte – ein Spiel, das von Miamis Pressingintelligenz und Passqualität geprägt war. Messi selbst orchestrierte das Geschehen mit gewohnter Präzision. Was besonders auffällt ist, dass Miami in mehreren Spielen gezeigt hat, dass sie zum Beispiel keinen Suarez brauchen, sondern auch andere Spieler gut in den Fokus bringen können, so zum Beispiel einen Tadeo Allende.

Das eindrucksvollste Zeichen setzte Miami jedoch im Eastern Conference Final: ein 5:1-Sieg über New York City FC, gekrönt von einem Hattrick des formstarken Tadeo Allende. Während Allende als einer der Breakout-Spieler der Postseason gilt, bleibt Messi weiterhin der wichtigste Faktor im Spiel – seine Torbeteiligungen, seine Spielintelligenz und seine Fähigkeit, Partien in kritischen Momenten zu lenken, verschaffen Miami einen Vorteil, den kaum ein anderes MLS-Team kompensieren kann.

Damit kommt es im MLS Cup 2025 zum Duell zwischen dem Top-Favoriten aus Miami und dem Überraschungsfinalisten Vancouver. Statistisch spricht vieles für Inter Miami: Sie verfügen über die höhere Torchancenqualität, die bessere Passprogression und die individuell stärkste Offensive der Liga. Doch Vancouver hat in dieser Postseason gezeigt, dass taktische Kompaktheit, defensive Disziplin und Effizienz im Umschaltspiel auch Mannschaften mit größerem Namen vor ernsthafte Probleme stellen können. Ein frühes Tor, ein perfekter Umschaltmoment – und das Finale könnte offen sein.

Dennoch deutet vieles darauf hin, dass Inter Miami den MLS Cup 2025 gewinnen wird. Zu konstant ist ihre Leistung, zu groß die individuelle Klasse im Offensivdrittel, zu einflussreich Lionel Messi, der einmal mehr als logischer Favorit für den Playoff-MVP gilt. Sollten allerdings Thomas Müller, Brian White oder Ryan Gauld ein herausragendes Finale für Vancouver liefern, wäre eine Überraschung nicht ausgeschlossen.

Allerdings, sollte Miami den MLS Cup gewinnen wird den anderen Clubs ein Signal gegeben: Kauft euch teure Weltstarts (wie das mit den Regeln der Liga funktioniert) und ihr bekommt den Cup. Dementsprechend dürften viele Fans der MLS in diesem Jahr den Vancouver Whitecaps die Daumen drücken.

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