Zum Inhalt springen

Saisonvorschau MLS 2019 – Teil 1 von 6: Die Enttäuschten und ein neues Team

In knapp zwei Wochen beginnt die neue Spielzeit der Major League Soccer. Deshalb blicken wir in unserer Saisonvorschau etwas auf die Offseason-Aktivitäten der Klubs und wagen eine kleine Einschätzung. Heute starten wir mit den Kellerkindern; den Teams, die -bis auf Neuling Cincinnati- eine enttäuschende Saison hinter sich haben.

FC_Cincinnati.svg

FC CINCINNATI

Cincinnati ist in der MLS! Die Fangemeinde der sehr deutsch geprägten Stadt fiebert dem Start entgegen, im Sommer wurde ein komplett neues Team auf die Beine gestellt, auch wenn Cincy die letzten 3 Jahre in der USL spielte. Ein paar Spieler sind geblieben, doch die Mannschaft hat sich natürlich extrem verändert.

Der Klub, der vom Südafrikaner Alan Koch trainiert wird (spielte 1995/96 sogar mal in Deutschland für den unterklassigen KTSV Preußen Krefeld), hat sich vor allem in der Defensive verstärkt. Es kamen viele Verteidiger, dazu eine Reihe defensive Mittelfeldspieler, womit die Devise klar ist: Der FCC will sich im ersten Jahr nicht abschlachten lassen.

Keeper Przemyslaw Tyton ist aus der Bundesliga bekannt, hatte beim VfB Stuttgart Licht und Schatten. Mit Greg Garza (Atlanta United), Nick Hagglund (Toronto FC), Alvas Powell (Portland Timbers) und Kendall Waston (Vancouver Whitecaps) kamen gute Verteidiger. Im defensiven Mittelfeld dürften der Schweizer Leonardo Bertone, der mit den Young Boys Bern Champions League spielte, sowie Victor Ulloa (FC Dallas) und Caleb Stanko (SC Freiburg) zu den bekannteren Spielern gehören.

Das Problem: In der Offensive mangelt es an echter Durchschlagskraft. Fanendo Adi und Darren Mattocks sind zwar MLS-erfahren und haben einige Tore auf ihrem Konto, ob sie aber wirklich Playoff-Hoffnungen machen? Fraglich. Zwar hat Adi in der Vergangenheit angedeutet, dass er ein extrem starker Angreifer werden kann – leider blieben es meist nur Andeutungen. Insgesamt fehlt dem Angriff die höchste Qualität.

Fazit: Der FC Cincinnati darf sich zwar Hoffnungen auf den ein oder anderen Sieg machen, sollte aufgrund seiner defensiven Orientierung in der Abwehr gut stehen. Doch ein Platz in den Playoffs scheint für den Neuling eher unrealistisch.

97025-556409_dc2234838d6f4432ad70d691fd5406f0mv2

SAN JOSÉ EARTHQUAKES

Der Klub landete auf Platz 23 – von 23 Teams. In Europa hätte das den klaren Abstieg bedeutet, womit die Quakes froh sein dürften, in der MLS zu spielen. Doch statt den Kader umzukrempeln und viele Neue vorzustellen, entschied sich San José, einen anderen Weg zu gehen: Man holte mit Matias Almeyda einen neuen, erfolgreichen Trainer, der dem Team einen komplett anderen Spielstil geben möchte. Neustart mit alten Gesichtern und neuem Steuermann. Dabei setzte er zuletzt in Mexiko auf stark mannorientiertes Spiel. Während die meisten Trainer Raumdeckung bevorzugen, hält der Argentinier große Stücke darauf, seinen Spielern feste Vorgaben zu geben. Wahrscheinlich wird das auch bei den Earthquakes umgesetzt werden.

Almeyda, der in Europa unter anderem für Sevilla, Lazio, Parma, Inter und Brescia spielte, war zuletzt für 3 Jahre Coach bei Chivas in Mexiko, 2017 gewann das Team den Titel und 2018 die CONCACAF Champions League. Damit hat er bewiesen, daß er ein guter Coach ist – doch reicht das, um mit einem eher unterdurchschnittlichen Team Erfolge einzufahren? Nach außergewöhnlichen Spielern sucht man im Kader lange – und vergeblich. Bei einigen Spielern ist zwar durchaus Potential vorhanden, auf den Platz brachte es bisher kaum einer.

Fazit: Es müsste ein kleines Wunder passieren, um die San José Earthquakes in den Playoffs zu sehen. Dem Team von Florian Jungwirth (früher TSV 1860, Dresden, Bochum, Darmstadt) steht erneut eine eher enttäuschende Saison bevor.

7aac1-556409_db955c3b462f4615b1048df49588f63emv2

ORLANDO CITY SC

Die „Löwen“ aus Orlando waren vergangene Saison die Schiessbude der Liga. 74 Gegentore in 34 Spielen sprechen eine deutliche Sprache, da helfen auch 42 geschossene Tore nicht. Die Fans in Orlando erlebten eine grausame Spielzeit, hegen nun die Hoffnung auf Besserung. Zu Recht?

Ein Blick auf den Kader zeigt, daß City durchaus erprobte und gute Spieler in seinen Reihen hat. Lamine Sane, den wir von seiner Zeit bei Werder Bremen kennen, ist ein erfahrener Verteidiger. Oriol Rosell stammt aus der Barca-Jugend, spielte u.a. bei Sporting in Portugal und kam mit vielen Vorschusslorbeeren. Sasha Kljestan ist US-Nationalspieler, Dom Dwyer machte 75 Tore in 166 MLS-Spielen. Alles in allem wundert das schlechte Abschneiden etwas, doch abgesehen von Dwyer lieferte kaum einer ab. Der beste Spieler im Kader war Yoshimar Yotun, der hervorragende Leistungen brachte. Bitter, dass ausgerechnet er Orlando in dieser Transferperiode in Richtung CD Cruz Azul/Mexiko verließ.

Trainer James O´Connor wird es nicht leicht haben. Zwar kamen mit Moutinho (LAFC), Méndez (Independiente) oder Ruan (Barra FC) einige Neue, doch wirklich vom Hocker hauen dürften diese Verpflichtungen kaum jemand. Potential ja, aber Sofortverstärkungen? Eher nicht. Die Anhänger müssen hoffen, dass Leistungsträger wie Kljestan sich deutlich steigern. Möglicherweise kann Kyle Smith überraschen, O´Connor kennt den Rechtsverteidiger noch aus seiner Zeit als Trainer bei Louisville City. Und: Ein Wechsel des Portugiesen Nani wird seit Wochen unter der Hand diskutiert, scheint nun Wirklichkeit zu werden. Er zeigte zuletzt trotz fortgeschrittenen Alters noch starke Leistungen, könnte einen Schub geben.

Fazit: Orlando City hat eine große Energie im Umfeld, die Erwartungen sind stets hoch. Die Fanbase erwartet Spektakel in Disneyworld City. Doch haben die Lions Playoff-Format? Wenn die Spieler mit großen Namen diesem auch gerecht werden, scheint die Postseason nicht ausgeschlossen. Ein sicherer Teilnehmer ist Orlando aber nicht.

b1678-556409_d3b481ea2f8b4b81a01cd3c1e6ac9ba3mv2

COLORADO RAPIDS

Die Rapids waren 2018 weit weg von ihren Erwartungen, die Mannschaft enttäuschte die eigenen Fans wieder und wieder. Coach Anthony Hudson war zuletzt umstritten, konnte seinen Kopf aber aus der Schlinge ziehen und darf den Klub auch ins Jahr 2019 führen.

In der Offseason gab es eine Reihe Veränderungen im Kader, das Franchise aus der Nähe von Denver hat dabei eine klare Strategie verfolgt: Während andere Klubs Neuzugänge aus Europa oder Südamerika einkauften, konzentrierten sich die Rapids auf MLS-Erfahrung. Mit Keegan Rosenberry (Philadelphia Union), Benny Feilhaber (LAFC), Kei Kamara (Vancouver Whitecaps) und Diego Rubio (Sporting KC) ließ Colorado tatsächlich aufhorchen. Draft-Pick Andre Shinyashiki (Stürmer) kann eine positive Überraschung werden. Was den Standard der MLS angeht, dürften all diese Spieler klare Verstärkungen sein.

Es gibt dennoch eine Reihe Fragezeichen. Kann das Team das von Hudson bevorzugte 4-4-2-Raute-System (in den USA: Diamond) endlich umsetzen? Der Coach liebt das Ballbesitzspiel, letzte Saison funktionierte das nicht. Der offensive Mittelfeldspieler Nicolás Mezquida scheint als Nr. 10 zu schwach. Wird Feilhaber nach vorne gezogen, um diese Baustelle zu schließen? Oder kann Youngster Cole Bassett (17) sich hier festspielen?

Fazit: Nach einem enttäuschenden Jahr hat sich in Colorado personell einiges getan. Wenn Anthony Hudson es schafft, seine Philosophie umzusetzen und die Neuzugänge gut einzubauen, könnten die Rapids um die Playoffs mitspielen. Wenn nicht, wird es ein trauriges Jahr für Torwart-Legende Tim Howard in seiner letzten Spielzeit.

Bisher keine Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: