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Ein Rasenfunk- Podcast zur MLS? Da hören wir doch rein!

Die meisten Fußballfans haben bestimmt schon einmal von Rasenfunk gehört, einem im August 2014 entstandenen Fußball- Podcast, der sich in verschiedenen Formaten mit verschiedenen Themen beschäftigt.

Max-Jacob Ost, der meistens durch den Podcast führt und Frank Helmschrott, der sich nach der Beschreibung auf ihrer Website um die Technik kümmert, sind die Köpfe dieses Projekts.

Wenn wir dazu etwas schreiben, dann muss das Thema wohl irgendwie mit US Fußball zu tun gehabt haben und so war es auch. Vor zwei Wochen kam im Kurzpass das Thema „Atlanta Uniteds Meisterstück in der Major League Soccer„.

Kurzpass ist das Format, in dem Max einen Gast hat und beide sich über ein Thema, so wie in diesem Fall über die MLS, unterhalten.

Zugegeben, als Fan des US Soccers ist man sowieso schon immer sehr kritisch, wenn deutsche Medien sich über den US Soccer äußern. Nicht, weil sie es nicht dürfen, sondern weil viel zu oft pauschale Behauptungen in den Raum geworfen werden, die nicht oder kaum mit Fakten, dagegen aber oft mit Vorurteilen und teilweise auch mit einer Mischung aus Arroganz und Ignoranz einher geben.

Das kann man Max, so viel sei schon einmal gesagt, gewiss nicht unterstellen und in dem Podcast wird auch deutlich, dass er sich mit dem Thema faktisch beschäftigt hat. Wir kennen zu viele Beispiele, in denen selbst das nicht passiert ist.

Der Gast zu diesem Thema war der in New York lebende Jürgen Kalwa, der u.a. als Autor und Videojournalist arbeitet und sich u.a. auch mit dem Sport in den USA beschäftigt.

Jürgen Kalwas Aufgabe in diesem Podcast ist die Rolle des Experten und er äußert sich sehr kritisch über die MLS, was im übrigen auch völlig in Ordnung ist.

Nun aber kommen wir, als ein deutsches Fanprojekt zum US Soccer ins Spiel, denn viele angesprochene Punkte sehen wir anders und möchten deshalb auch diese Sicht darlegen.

Der Unterschied

Bereits vor dem ersten gehörten Ton fiel uns ein erster Punkt auf, der leicht störend ist. Der Satz „Im zweiten Anlauf versucht die MLS eine Fußballliga zu sein, die sportlich und wirtschaftlich funktioniert.“ lässt zwar erahnen, was gemeint ist, ist aber inhaltlich falsch, denn es gab vorher noch nie eine MLS.

Gemeint war sicherlich die North American Soccer League (NASL), die zwischen 1968 bis 1984 die 1. Liga in den USA war, danach aber aufgrund finanzieller Probleme eingestellt wurde. Die MLS hatte damit nur nie etwas zu tun und war ein eigenständiges Projekt. 2011 wurde die NASL ein zweites Mal gegründet und erhielt den Status einer zweiten Liga. Mit ihr kehrten auch bekannte Teams aus der ersten NASL, wie zum Beispiel New York Cosmos, wieder zurück. Über die NASL könnte man vielleicht sogar schon ein Buch schreiben. Über ihre Geschichte, Pläne und ihre Probleme, die damals zum scheitern führten und im Februar 2018 erneut für die Einstellung des Spielbetriebs sorgten. Von all dem bliebt die MLS jedoch immer unberührt und sollte nicht in solchen Sätzen stehen. 😉

Atlanta Uniteds Meisterschaft – Was sagt das über die Liga aus?

Nun aber zum Podcast selbst.

Das Gespräch beginnt, wie soll es auch anders sein, mit Atlanta United. Diesem Wunderteam dort in den USA. Immerhin haben sie schon in ihrer zweiten Saison die Meisterschaft gewonnen, weshalb die Frage gestellt wird, was das über die MLS aussagt.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass das nicht viel über eine Liga aussagt, denn es gab schon einmal ein Team, dass noch besser abschnitt.

Chicago Fire holte 1998 die Meisterschaft nämlich bereits in seiner 1. Saison in der MLS und damit nur 1 Jahr nach seiner Gründung. Im Vergleich dazu steckt allein zwischen der Gründung und der Ligateilnahme noch 3 Jahre bei Atlanta dazwischen.

Fire holte 1998 zudem auch noch den Pokal, Lamar Hunt U.S. Open Cup genannt, in ihre Trophähensammlung.

Unter diesem Fakt und der Tatsache, dass Fire seit 2006 keine weiteren Titel holen konnte, sollte diese Frage kritisch betrachtet werden. Erwähnenswert ist vielleicht doch ein weiterer Titel: der Wooden Spoon Champion aus dem Jahr 2015, dessen Ehre man zuteil wird, wenn man die Saison als letztes Team der Gesamttabelle wurde. Im Jahr darauf holte Chicago Fire diesen Titel erneut. Der Wooden Spoon ist natürlich kein offizieller Titel, sondern ein ironischer Award der Fans.

Zweitklassig

Sehr bald fällt in dem Podcast dann auch das Wort, dass neben „MLS“ vermutlich mit am häufigsten genannt wird, nämlich zweitklassig. Sobald dieses Wort irgendwo fällt, wird auch immer fleißig ein Europabezug hergestellt. So macht auch Jürgen Kalwas das und meint, dass die MLS in die zweiten europäischen Ligen einzuordnen ist.

Genau mit dieser pauschalen Aussage beginnt jedoch das Problem. Welche sagenumworbenen europäischen zweiten Ligen sind gemeint? Die polnische Ekstraklasa oder die Veikkausliiga?

Und wie genau stark ist die MLS zwischen europäischen zweiten Ligen? Eher wie die Championship oder eher wie die zweite Liga Zyperns?

Diese immer wieder aufgebrachte Diskussion wird nicht sinnvoller, denn selbst innerhalb Europas und bereits zwischen den dortigen ersten Ligen ist das Leistungsniveau so breit, dass ein solcher Vergleich kaum haltbar ist.

Allein innerhalb der zum Beispiel Ligue 1 in Frankreich sind die Unterschiede zwischen den Teams bereits so enorm, dass es gerade einmal eine handvoll Teams gibt, die europäisch eine gewisse Relevanz haben. Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich bekanntermaßen mit der österreichischen Bundesliga. Auch ein vergleichender Blick in die italienischer Liga lohnt sich bei dieser Frage, denn die Spielweise einer Vielzahl der Mannschaften kann kaum der MLS übergeordnet werden.

Wird von europäischem Fußball gesprochen, dann sind natürlich Ligen, wie die Bundesliga, die Premier League, die Ligue 1, La Liga oder die Primeira Liga gemeint, vielleicht auch noch die Eredivisie, auch wenn diese ja gern vor allem als Ausbildungsliga für britische Teams verwendet wird.

Wie aber bereits oben angedeutet gibt es selbst innerhalb der Ligen (zum Beispiel Ligue 1, La Liga und Primeira Liga) solche Klassenunterschiede zwischen dem Teams, das dies kaum für Vergleiche zur MLS halten kann.

Solange es zwischen europäischen und MLS- Teams keine ernsten Turniere und damit wirkliche Vergleichswerte gibt, sind diese pauschalen Vergleiche auch wenig gehaltvoll.

Und bis dahin muss Chelsea auch weiterhin mit dem Fakt leben, dass diese amerikanischen Teams eben doch irgendwie Fußball spielen können, wenn man mit seinem Startelfkader gegen die zweite Mannschaft der New York Red Bulls verliert.

Nicht die besten Trainer der Welt

Eine weitere Kritik von Kalwas ist die Qualität der Trainer.

Seine Aussage, dass in die MLS nicht die besten Trainer der Welt arbeiten kann ohne Zweifel bestätigt werden. Immerhin hat bisher kein MLS- Trainer den Titel als FIFA- Trainer des Jahres erhalten.

Natürlich kann und muss die Qualität der Trainer in der MLS weiter verbessert werden, das sehen auch wir so. Trotzdessen kann nicht unerwähnt bleiben, dass in den letzten 6 Monaten gleich zwei MLS-Trainer in europäische Spitzenligen wechselten. Patrick Vieira wurde im Juli Cheftrainer vom französichen Club OGC Nizza und Jesse Marsch wurde zum Co- Trainer bei RB Leipzig ernannt, wurde aber auch hoch als Headcoach gehandelt.

Atlanta Uniteds Trainer Tata taucht in der Gerüchtewelt immer wieder als möglicher neuer Cheftrainer der mexikanischen Nationalmannschaft auf.

Als Fußballfan ist manchmal übrigens auch der Blick zu diesen besonderen Trainern sehr schön. Mike Petke, Trainer von Real Salt Lake, ist so ein Typ, dem man gern am Spielfeldrand zusieht (und den Fans wegen verschiedener Dinge sehr schnell lieben) und Pressekonferenzen immer wieder Unterhaltungswert haben. Er ist gewiss keiner der besten Trainer der Welt, ohne Frage, aber seine Leidenschaft ist ein Faktor, den Fans durchaus auch lieben. Caleb Porter, der zur Zeit immer wieder mit LA Galaxy in Verbondung gebracht wird, gehört ebenfalls in diese Richtung.

US Soccer europäischer machen

Dass sich überhaupt nicht am europäischen Fußball orientiert wird, kann zunächst einmal nicht gesagt werden. Allein dieser furchtbare Trend die Namen europäischer Teams zu übernehmen hat dem US Soccer in den letzten Jahren viel an seiner tollen Vielfalt genommen. Mittlerweile heißen die neuen Teams fast durchgehend United oder FC. Besonders deutlich wird das in Miami, wo es einen Miami FC und Miami United gibt, die sich in diesem Jahr beide in der NPSL trafen. Das künftige Team von Beckham hat ebenfalls einen leider wenig kreativen Namen: Club Internacional de Futbol Miami.

Davon aber abgesehen ist das besondere am US Soccer nun einmal, dass er kein verzweifelter Abklatsch vom europäischen Fußball ist, sondern eine ganz eigene Art und Idee hat, die ihn besonders machen.

Was für einen Mehrwert hätte die MLS, wenn sie komplett wie die europäischen Ligen wäre? Wahrscheinlich würde sie dann nicht mehr MLS heißen, sondern Sprint Soccer League (dieser europäische Trend sogar den Namen der Liga zu verkaufen ist schon irgendwie absurd und selbst in den USA mit ihren Franchises bisher zum Glück nicht angekommen). Oder anders gesagt, welchen Mehrwert haben die östereichische Bundesliga, die HET Liga oder die Jupiler League zum Beispiel, weshalb man das Interesse haben sollte sie zu sehen?

Überspitzt könnte man anmerken, dass sich eine Recherche über die östereichische Bundesliga vor allem deshalb lohnt, um den aktuellen Namen dieser herauszufinden: max-Bundesliga, T-Mobile-Bundesliga, tipp 3-Bundesliga powered by T-Mobile, tipico-Bundesliga, tipico-Bundesliga (12er Liga).

Ganz bestimmt hat auch die östereichische Bundesliga ihren Charme, ist sehenswert und hat Fans, die Freunde und Leidenschaft mit dieser Liga haben.

Eine internationale Außenwirkung hat die Liga aber (bisher) eher nicht.

Genau das hat die MLS aber, eben weil sie irgendwie anders ist.

Ein kleines Beispiel soll genau das ein wenig deutlicher machen.

Verglichen wurden in diesem Fall, welcher Begriff weltweit eher bei Google gesucht wurde.

Das Ergebnis:

Im Vergleich dazu auch die Betrachtung nur für Deutschland:

Selbst in der Phase, in der die MLS keinen Spielbetrieb hat (also von Mitte Dezember bis zum März) wird häufiger nach der MLS gesucht als nach der Liga des Nachbarstaates. Andere Begriffe zur österreischen Bundesliga brachten noch schlechtete Trefferergebnisse.

Schaut man sich nun einmal den Vergleich der MLS zu anderen europäischen Ligen an, wird auch da etwss deutlich.

Irgendwas scheint diese Liga zu haben, was die Leute interessiert und warum sie aktiv danach suchen. Für die österreichsische Bundesliga, wie auch zur Jupiler Pro League wurden jeweils mehrere Begriffe probiert, um die bestmöglichen Treffen für die jewiligen Ligen zu erhalten und auch die Chinesische Super League wurde angesehen und brachte ein ähnliches Bild wie die österreichische Bundesliga.

Anschließend lohnt sich selbstverständlich auch der Vergleich sehr bekannter europäischer Ligen und der MLS, der ein interessantes Ergebnis hervor bringt.

Die MLS (in diesem Fall rot) wird meistens häufiger gesucht als die Süper Lig und ist etwa auf einer Ebene mit der Ligue 1.

Nach den europäischen Spitzenligen Bundesliga, Premier League, La Liga und der Serie A wird danach bereits die MLS sehr häufig gesucht.

Ein interessantes Phänomen zeigt sich auch bei der ganzjähigen Betrachung, bei der alle Teams im Sommer zur Sommerpause einen großen Einbruch in der Suche haben, während die MLS relativ konstant gesucht wird und keine größeren Schwankungen nach unten hat.

Diese Liga hat so viele Besonderheiten und ist deshalb weltweit durchaus vonn Interesse. Seien diese Besonderheiten, dass die Saison von März bis Dezember andauert, der Meister durch Playoffs entschieden wird, in zwei Conferences gespielt wird und mehrmals im Jahr die Spielergehälter ganz transparent veröffentlich werden.

Und auch wenn es sich mittlerweile nicht mehr gibt, bleiben eben auch die legendären Shootouts in Erinnerung.

Auf- und Abstieg?

Jürgen Kalwas kritisierte in dem Podcast auch den fehlenden Auf- und Abstieg.

Dazu muss man aber auch sagen, dass dieses Thema unter Soccer- Fans in den USA ebenfalls reichlich diskutiert wird und gerade in den unteren Ligen sich durchaus einiges entwickelt, was es zu beobachten gilt. Dazu werden wir euch in der nächsten Zeit aber ausführlicher Informieren.

Womit man sich sicher sein kann und das deutete auch Kalwas an, ist die fehlende Zustimmung der MLS. Das kann man auch durchaus kritisieren oder hinterfragen. Ganz offensichtlich ist, dass die MLS (also vor allem die Clubbesitzer der Liga) Angst vor großem Geldverlust haben, wenn sie absteigen würden. Er kritisierte dabei auch völlig zurecht, dass die Liga in sich komplett dicht ist und ein Team nur durch Ankauf teil dieser wird.

Ob aber tatsächlich ein Auf- und Abstiegssystem die perfekte Lösung wäre, kann diskutiert werden. Der HSV zeigte in den letzten Jahren schon, dass auch dieses System nicht immer perfekt und gerecht ist.

Vielleicht würde sich für den US Soccer eine ganz andere Variante finden, die trotzdem einen besseren Austausch der Teams ermöglicht. Vorstellen könnte man sich dabei zum Beispiel eine Playoffähnliche Form oder aber eben etwas komplett anderes.

Aber bis dazu passiert, müssen erst die Teambesitzer der MLS überzeugt werden.

Die sportliche Ausbildung von Kindern und Jugendlichen

Auch in den anderen Profiligen des US- Sports gibt es keinen Auf- und Abstieg. Der Punkt liegt dabei bereits in der „Vereinsstruktur“, die in den USA eine völlig andere ist, als man sie aus den meisten europäischen Ländern kennt. Während in Europa Kinder und Jugendliche nach der Schule in ihre Sportvereine gebracht werden, ist dieser Part völlig in das Schulsystem integriert und der Sport findet über die Schulen statt.

Das soll natürlich nicht heißen, dass es in den USA keine Vereine gäbe, jedoch sind diese Strukturen deutlich unausgebauter und weniger präsent als der Sport in der Schule.

Das zieht sich schließlich auch von der High School, bis ins College. So werden eben auch viele Stipendien für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Profilen aus den schulischen Aktivitäten vergeben, darunter auch die aus den Sportteams.

Wer in seinem High School Team gute Leistungen im Fußball gezeigt hat, kann auf ein Stipendium hoffen und anschließend für das College weiter spielen.

Aus europäischer Sicht klingt das gewöhnungsbedürftig, aber diese Struktur existiert bereits seit Generationen und ist ein Bestandteil der Talentförderung im amerikanischen Sport.

In Deutschland sind es die Vereine, in den USA sind es die Schulen. Bei beiden Beispielen gibt es gute und schlechte Ausbildungsorte.

Nach dem College werden, für die USA typisch, die jungen Spieler über Drafts in die Teams geholt und in den letzten Jahren gab es dabei auch in jedem Jahrgang eine Handvoll guter Spieler, die ihren Platz in der Liga finden konnten.

Beispielhaft seien dabei genannt der First Round Pick aus dem MLS Superdraft 2013, Andrew Farrell, der seit dem für New England Revolution spielt und seinen Platz in der Startelf hat. Walker Zimmermann wurde im gleichen Jahr an 7. Stelle vom FC Dalls gewählt und gehörte sowohl beim FC Dallas, wie auch nun beim Los Angeles FC in die Startelf. 2017 wurde er zudem das erste Mal in die Nationalmannschaft berufen.

Im Superdraft 2014 wurde an erster Stelle Andre Blake gewählt, den einige sicherlich als den Torwart von Philadelphia Union oder aus der jamaikanischen Nationalmannschaft kennen. Neben vielen anderen Namen, die man heute weiterhin als Stammspieler in der MLS kennt, wurde in der zweiten Runde, an 36. Stelle, Aaron Long gewählt, der 2018 nach einer starken Saison zum Verteidiger des Jahres gewählt wurde und zudem in die Nationalmannschaft berufen wurde. Glaubt man aktuellen Gerüchten, seien mehrere Bundesligateams an ihm interessiert.

2015 wurde an erster Stelle der Kanadier Cyle Larin gewählt, der im selben Jahr Rookie des Jahres wurde und bei Orlando City auf sich aufmerksam machte. Anfang 2018 wechselte er auf eine umstrittene Art zu Beşiktaş Istanbul und wird doch vor allem als Joker eingesetzt.

Auch der First Round Pick aus dem Jahr 2016, Jack Harrison, spielte bis Anfang 2018 zwei starke Seasons und wurde schließlich von Manchester City verpflichtet, jedoch direkt an den Middlesbrough verliehen. In diesem Jahr wurden übrigens auch die beiden Deutschen Fabian Herbers, der gerade von Chicago Fire verpflichtet wurde und Julian Büscher. Ein Beispiel aus dem Jahr 2017 kennen natürlich alle, nämlich Julian Gressel.

So ist der MLS SuperDraft ein wichtiger Bestandteil der Liga, um junge Spieler in die Teams zu verteilen. Befürworter des Draftsystems betonen auch immer gern, dass diese Art eine gewisse Gerechtigkeit zwischen den Teams fördert, denn die Reihenfolge wird nach der Platzierung im Vorjahr entschieden, sodass die schlechtesten Teams (oder komplett neuen) zuerst Spieler wählen dürfen.

Jedoch ist mittlerweile nicht mehr für alle Teams der Draft die wichtigste Quelle für Talente. Einige Teams nehmen zwar auch am Draft teil, nutzen diesen aber vor allem, um die Spieler anschließend erst einmal in ihren USL- Teams Spielerfahrung sammeln zu lassen.

Im Podcast völlig unerwähnt (?) ist übrigens ein ganz anderer Punkt. Eine mittlerweile immer wichtiger gewordene Quelle für die eigene Kaderplanung sind die Team eigenen Akademien. Fast alle MLS Teams haben bereits gut ausgestattete Akademien, in denen sie meist bei Spielern zwischen 12 und 14 mit der Ausbildung beginnen. Erwähnenswerte Beispiele sind dabei die New York Red Bulls, der FC Dallas, Real Salt Lake und auch bereits mit erwähnenswerten Ansätzen Atlanta United.

US Nationalspieler Tyler Adams ist eines von vielen Beispielen, die den Weg über eine Akademie gegangen und mittlerweile ein Vorbild für viele Fußball spielende Kinder in den USA sind.

In den nächsten Wochen werden wir näher auf die Akademien und ihre Spieler eingehen.

Der negative Punkt und in dieser Frage stimmen wir mit Jürgen Kalwas völlig überein, ist die Qualität der fußballerischen Ausbildung am College. Die meisten Spieler, die sich zum MLS Superdraft anmelden, setzen sich in keinem MLS oder USL Team durch. Zwar waren in jedem Jahrgang mehrere Spieler dabei, die akzeptable MLS oder NASL/USL Karrieren verzeichnen konnten, jedoch zeigte sich gerade in den letzten Jahren, das oftmals die Spieler noch einmal einen „Umweg“ über die USL machen mussten und dort weitere Erfahrungen und Training benötigen, um möglicherweise später in das MLS Team berufen zu werden. Da die meisten Spieler nach dem College jedoch bereits etwa 22/23 Jahre alt sind, verlieren einige Spieler wertvolle Jahre.

Die Qualität an den Colleges muss sich unabstreitbar kräftig steigern, denn im Augenblick dürften für die Teams mit guten Akademien diese bereits die bessere Quelle für junge und gut ausgebildete Talente sein.

Dass die Spieler aus den Collegeteams in der Regel dieses mit einem Abschluss verlassen, ist selbstverständlich ein gutes Argument, denn nicht jeder von ihnen kann ein Profifußballer werden. Der Kritikpunkt soll deshalb nur auf der Qualität der sportlichen Ausbildung liegen.

Der Collegeabschluss ist im Vergleich zur deutschen Talentförderung nämlich als klares Plusargument anzusehen. Auch in Deutschland wird nicht jedes Talent Fuißballprofi, jedoch stehen dann viel zu oft die Spieler nur mit einem Realschulabschluss oder maximal Abitur vor einem zerplatzen Fußballtraum. Die Anzahl der studierenden Fußballtalente in Deutschland dürfte sehr gering sein.

Qualität der Spieler

Hört man sich Gespräche in Deutschland über die MLS an, so wiederholen sich viele Punkte immer wieder. Neben dem Wort Regionalliga, das völlig random und ohne irgendwelche unterstützenden Fakten in den Raum geworfen wird, wird ebenso auch die Qualität der Spieler gern angesprochen.

Da in den letzten Jahren nicht scharenweise USL oder MLS- Spieler nach Europa wechselten, gibt es kaum vernünftige Daten, die etwas über eine vergleichbare Qualität sagen würden. Umgekehrt wechselten aber auch nicht viele Spieler aus Deutschland, England, Italien oder Spanien in die MLS. Von jeweils beiden Kontinenten gibt es Beispiele von Spielern, die sich durchsetzen konnten und regelmäßig spielen, bzw. ihren Platz im Team haben, aber eben auch Beispiele von Spielern, die sich nicht durchsetzen konnten.

Beispielsweise haben DeAndre Yedlin und Tim Ream als ehemalige MLS Spieler ihre Wechsel in die Premier League geschafft. Auch Matt Miazga kann man einen soliden Sprung bescheinigen, der beim FC Nantes einen Stammplatz inne hatte, aber nach einem verursachten Elfmeter vom Trainer zwischenzeitloich aus dem Kader gestrichen wurde und nun seinen Platz zurückerkämpfen muss.

Andersherum gibt es auch Beispiele von Spielern, die sich nicht in der MLS durchsetzen konnten, sei es zum Beispiel Stefan Aigner oder auch Julian Büscher.

Auffällig ist dabei jedoch, wie kritisch Spieler gewertet werden, die in den USA spielen.

Das zeigt sich zum Beispiel an den Marktwerten, die deutlich geringer eingeschätzt werden, als wenn sie in anderen Ligen spielen würden.

So lag der Marktmert von Matt Miazga, der bei den New York Red Bulls ein wichtiger Spieler war, bei 150tausend €. Gemeinsam mit der Meldung seines Wechsels zum FC Chelsea stieg der Marktwert sofort auf 2,5millionen € an, ohne überhaupt ein Spiel gespielt zu haben. Die bloße Zugehörigkeit zu einer Liga wirkte sich innerhalb von Sekunden beeindruckend auf den Marktwert aus. Ein ähnliches Phänomen war auch bei DeAndre Yedlin zu beobachten.

Am Ende des Podcasts stellte Max fest, dass man die sportliche Leitung nicht nach dem Gehalt beurteilen. Genau diese Denkweise geht in dierichtige Richtung. Besonders unter dem Augenmerk, in welche Höhe Transfersummen und Gehälter in den letzten Jahren in einigen Ligen angestiegen sind.

Vom Geschäftsmann, der nicht in ein MLS Team investieren wollte

Ein weiterer Kritikpunkt im Podcast waren vermeintliche nicht Investitionen von potentiellen Clubbesitzern. Dabei nannte er das Beispiel von Michael Eisner, der in den englischen Drittligaclub FC Portsmouth investierte. Dessen Absicht sei es laut Kalwas bis in die Premier League zu kommen und dort schließlich Zugriff zu den ganz großen Töpfen zu haben. An diesem Beispiel macht er die Qualität einer Liga aus, was jedoch arg diskutabel ist. Gerade in der MLS, aber auch anderen US- Fußballligen gab es in den letzten Jahren etliche Beispiele von Investitionen von Teams. Warum steckt ein David Beckham viel Geld in einen Club in Miami und arbeitet über Jahre hinweg intensiv an diesem Projekt? Auch beim Los Angeles FC finden sich äußerst bekannte Namen unter den Besitzern, so zum Beispiel der ehemalige Basketballer Magic Johnson, die ehemalige Fußballnationalspielerin Mia Hamm, Chad Hurley (Mitgründer von YouTube) oder Will Ferrell (Schauspieler).

Der Engländer Phil Rawlins, der über 10 Jahre für das Premier League Team Stoke City im Vorstand saß, brachte mit seinem Partner Orlando City in die MLS, hinter dem New York City FC steht bekanntermaßen die City Football Group, zu denen auch Manchester City gehört. Atlanta United gehört dem Milliardär Arthur Blank, hinter dem künftigen MLS Team aus Nashville stehen ebenfalls drei finanzkräftige Geschäftsmänner und der FC Cincinnati, der ab der nächsten Saison in der MLS spielen wird, gehört einem Nachkommen der Lindner Familie, einer in Cincinnati seit Generationen angesehenen Geschäftsfamilie.

Wenn man eines der MLS definitiv nicht vorwerfen kann, dann ist es, dass Geschäftschäftleute nicht in die Liga oder ihre Teams investieren würden. Außerdem muss man sich bei dieser Argumentation auch Fragen, warum er das Geld in englisches Team investierte und nicht in ein Team aus Frankreich, Spanien oder der Bundesliga.

Schweinsteiger, der Retter von Chicago Fire?

Chicago Fire hat turbolente Jahre hinter sich. Jahre, in denen man oftmals die Playoffs verpasste und eher um den Wooden Spoon spielte, als um den MLS Cup.

Dann kam 2017 die Meldung zur Verpflichtung Schweinsteigers und die deutschen Medien standen Kopf. Als das Team es dann schließlich auch in die Playoffs schaffte, war man sich in den deutschsprachigen Medien schnell einig, dass Bastian Schweinsteiger dieser Erfolg zu verdanken sei.

Okay, man flog zwar direkt mit einer 0-4 Heimniederlage gegen die New York Red Bulls raus, aber das war dann weniger wichtig.

Betrachtet man jedoch einmal genauer das Team von Chicago Fire und zieht einen Vergleich zum Vorjahr, wird eines schnell deutlich. Chicago Fire hatte sich in der Offseason 2016/2017 sehr clever verstärkt und erkannt, was die Schwächen waren. In das Team kamen nämlich auch Dax McCarty, der gemeinsam mit Schweinsteiger das Team im Mittelfeld koordiniert, sowie Nemanja Nikolics, der 2017 Torschützenkönig der Liga wurde. Natürlich brachte auch der Faktor Schweinsteiger Punkte zum Erfolg mit, denn seine Erfahrung ist nicht zu unterschätzen, aber das immer wieder herbeigeredete Wunder durch Schweinsteiger war das wohl eher nicht. Immerhin müsste man sich dann auch Fragen, warum Chicago Fire in der Saison 2018 wieder so erfolglos blieb.

Wie nachhaltig die Kaderplanung von Chicago Fire ist, wird sich in den nächsten Jahren zeigen, denn in den letzten 2-3 Jahren griff Fire nur sehr selten auf ein Mittel zurück, das sie in der Hand haben: ihre eigene Akademie. So ist die Erfahrung von Schweinsteiger und Dax McCarty im Mittelfeld zwar sehr wertvoll, aber perspektivisch ist bisher kein Spieler zu sehen, der diese Posten aus den eigenen Reihen irgendwann übernehmen könnte. Fire bliebe damit weiterhin stark von guten Draft- Picks abhängig.

Nachhaltigkeit von Teams

Genau an diesem Punkt kann man den Blickwinkel auf ein anderen Team werfen, das aus der gleichen Conference stammt, nämlich die New York Red Bulls, von denen Dax McCarty 2017 überraschend zu Chicago getauscht wurde. Gerade in diesem Team ist in den letzten Jahren eine ganz andere Strategie verfolgt worden, die sehr stark auf ihre eigenen Talente setzte, sowie auf junge, talentierte Spieler aus südamerikanischen Ländern. In dem Kader 2018 fanden sich dabei 8 sogenannte Homegrownplayer, während es bei Chicago lediglich 2 waren, die nicht einmal auf 10 Einsätze kamen.

So richtig scheint Red Bull die New York Red Bulls für das Projekt Leipzig dann doch nicht liegen gelassen zu haben, denn wenn man sich ansieht, wie weit die Akademie technisch, vor allem aber auch in der Frage und Philosophie der Ausbildung weiter ausgebaut wurde, muss dort weiterhin ein gewisses Interesse bestehen. Beide Clubs tauschen sich regelmäßig mit Hospitationen und Wissensvermittlung aus und auch Spieler bekamen in den letzten Jahren immer wieder mal die Möglichkeit beim jeweils anderen zu trainieren. Ja und auch die Wechsel von Jesse Marsch und Tyler Adams bestätigen diese Verbinung noch mehr. (Sicherlich ist das ein Thema, über das man sich auch streiten kann.)

Auch die Leitungen der New York Red Bulls konnten sich in den vergangen Jahren durchaus sehen lassen. In 6 Jahren holte sich das Team 3 mal das Supporters Shield.

Es ist und bleibt die Leidenschaft am runden Leder

Der Realitätsabgleich, wie Max- Jacob Ost es im Podcast nennt, ist aber auch ein stark subjektives Sehen. Punkte, die wir an der Bundesliga kritisieren, werden von anderen dagegen positiv betrachtet.

So gilt das auch für die MLS, die nach unserem Eindruck viel kritischer als andere Ligen beäugt wird (weil es aus diesem imperialístischen Amerika kommt und diese Amis und jetzt auch noch den Fußball wegnehmen wollen?), bei der jeder Fehlpass als klares Argument für ein Vorurteil genutzt wird, während in der Serie A fußballerisch deutlich katastrophalere Spiele keinerlei Erwähnung finden.

In den letzten Absätzen haben wir versucht zu zeigen, dass alles zwei Seiten oder Meinungen haben kann. Manchmal wäre es wünschenswert auch zu akzeoptieren, wenn woanders Dinge irgendwie anders sind. Genau das macht die Schönheit des Sports aus, macht ihn Interessant und auch Innovativ. Während zur WM 2014 über Freistoßspray diskutiert wurde, hatte die MLS dieses längst im Einsatz. Der Videoschiedsrichter fand seine Prämiere in der USL, Orlando City hat im Stadion einen Bereich zum legalen Abbrennen von Pyrotechnik und Aktionen gegen Rassismus und Homophobie sind im US Fußball gang und gebe, während vermeintliche Fans in deutschen Stadien noch viel zu häufig ihr Unwesen in den Fanblocks treiben, ohne dafür verbannt zu werden.

Zum Abschluss bleibt vielleicht noch die Frage, warum deutsche Staatsbürger Fan der MLS werden. Die Gründe dafür sind selbstverständlich völlig unterschiedlich, aber jeder von diesen MLS Fans hat diesen einen Moment gehabt, in dem man sich die Liga neutral angesehen hat, einen Spieler oder eine Aktion sah, die begeisterte, ein Team sah, dass zu einem passte oder einfach diese Besonderheiten der Liga liebt, seien es Playoffs oder ein Holzfäller, der bei jedem Tor der Heimmannschaft eine Baumscheibe abschneidet.

Vielleicht war man aber auch bei einem Spiel im Stadion und wurde dabei zu einem Fan.

All diese deutschen Fans verbindet jedoch eines. Die Leidenschaft für den Fußball, für die man regelmäßig auch um 3 Uhr Nachts noch einmal aufsteht, um die Spiele zu sehen.

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