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Precourt bekommt seinen Austin FC

Vor kaum zwei Wochen wurde die frohe Meldung verbreitet, dass Columbus Crew in Columbus bleiben würde und damit gewissermaßen gerettet sei. Der Grund für diese doch überraschende Meldung war ein Wechsel der Besitzrechte am Franchise.

Anthony Precourt, der Besitzer von Columbus Crew, gab seine Rechte an dem Team ab und verließ damit den Club.

In den nächsten Tagen werden wir euch einen umfassenden Überblick über die Entwicklung und neue Situation von Columbus Crew geben, die aufregende zwei Jahre hinter sich haben und 2019 mit hoffnungsvollen und positiven Meldungen starten konnten.

Anthony Precourt und Austin

Warum Anthony Precourt das Team ab gab, dürfte den meisten bereits bewusst sein, denn seit seine Pläne bekannt wurden, das Team nach Austin umzusiedeln, hagelte es Fanproteste und Unruhe, die über ein Jahr anhielten. Precourt wollte von seinen Plänen ein Team in Austin zu haben, jedoch nicht ablassen. Unabstreitbar hatte er dabei auch die ganze Zeit einen wichtigen Unterstützer an seiner Seite: Don Garber.

Der MLS Commissioner unterstützte den Investor bereits im Herbst 2017 mit gemeinsamen Presseerklärungen und Planungen für ein Team in Austin, stand diesem auch während der starken Fanproteste zur Seite und betreute seit dem einen Prozess, der heute ganz offiziell wurde.

Anthony Precourt arbeitete in den letzten 1,5 Jahren nämlich immer intensiver an seinen Austin- Plänen, holte sich in der Zweimillionenstadt die nötige politische Unterstützung und verkündete bereits im Dezember, dass er ein Fußballstadion mit 20.000 Plätzen in Austin bauen wird, um ein MLS Team in die texanische Stadt zu holen.

Zwei Wochen später gab er seine Rechte an Columbus Crew zum 01.01.2019 ab und verkündete, natürlich gemeinsam mit Don Garber, am 15. Januar 2019, dass der Austin FC mit Anthony Precourt als Besitzer, das 27. Team in der Major League Soccer werden würde.

Austin FC

Dabei kann man sich auch sicher sein, dass Precourt zur Not auch daran festgehalten hätte, Columbus Crew nach Austin zu holen, wenn er nicht die Unterstützung von Don Garber erhalten hätte, um joch relativ einfach Rechte für ein neues MLS- Team zu bekommen. Sicherlich profitierten davon auch alle Seiten. Die Fans von Columbus Crew können ihrem Club treu bleiben, während Precourt ebenfalls seinen Wunsch bekam und nun in Austin sein Team aufbauen wird.

Ist Austin wirklich ein geeigneter Standort?

Wir hatten bereits vor einem Jahr schon einmal genauer betrachtet, warum sowohl Don Garber, wie auch Anthony Precourt sich so viel vom Standort Austin versprechen.

So ist Austin bevölkerungsreichste Stadt der USA ohne eigene Profimannschaft in den großen Sportligen und gleich zwei Machbarkeitsstudien zeichten Austin als den am besten geeigneten Ort für ein weiteres MLS Franchise aus. Das Problem ist aber, dass diese beiden Studien jeweils von der gleichen Agentur ermittelt wurden (erst für die MLS und einige Monate später für Precourt) und in der Stadt vor allem Collegesport beliebt ist.

Wer sich mehr dafür interessiert, warum das viele Lob für Austin auch kritisch gesehen werden muss, dem sei unsere Analyse vom Oktober 2017 nahegelegt, denn an der Sachlage hat sich seit dem nichts geändert.

Die Verantwortlichen der Stadt freuen sich natürlich über einen solchen Deal. Das 225 Millionen Dollar teuere Stadion wird privat finanziert, die Stadt bekommt durch ein neues Team auch neue Arbeitsplätze, einen weiteren Veranstaltungsort und natürlich auch mediale und vielleicht sogar internationale Aufmerksamkeit mit einem eigenen Team. Das ganze kostet sie nichts, denn wie die Verantwortlichen der Stadt mitteilten, würden keine Steuergelder dafür aufgebracht werden.

Ob Austin für die MLS jedoch ein Gewinn werden wird, bleibt erst einmal fraglich, denn mit Houston Dynamo und dem FC Dallas gibt es bereits zwei MLS Teams in Texas, die beide unterdurchschnittliche Zuschauerzahlen haben und Austin damit nun den kleinsten TV Markt (Rang 40) aller MLS Teams besetzt. Das liegt zusätzlich auch noch daran, dass Texas auch in den anderen Profisportligen bereits gut vertreten ist. In der NBA gibt es ebenfalls drei texanische Teams, in der NFL und MLB jeweils zwei und in der NHL ein Team.

Im Vergleich dazu gibt es 5 andere Städte, die im Ranking des TV Marktes deutlich höher gesetzt sind, bisher aber kein MLS Team haben. Dazu zählen Tampa (Rang 11), Phoenix (12), Detroit (14), Cleveland (19), Sacramento (20) und St. Louis (21).

Die Verkündung

Ein paar Worte sollen natürlich noch zur Verkündung gesagt werden. Um kurz nach 23:30 Uhr deutscher Zeit startete die Pressekonferenz der MLS.

Wer in den letzten Jahren die Pressekonferenzen zur Verkündung der neuen MLS- Teams gesehen hat, kennt den Ablauf bereits.

Bevor sie beginnt ist bereits auf der Rückwand der Bühne immer der Name der neuen Stand als Hashtag zu lesen, das MLS Logo und, insofern schon vorhanden, das Logo des neuen Teams. Spätestens an dieser Stelle weiß man dann, worum es in den nächsten 30- 45 Minuten gehen wird. Als erstes betritt dann jemand die Bühne, den alle MLS Fans kennen, weil er selbst in der MLS gespielt hatte. Seine Rolle ist immer die des Anheizers, um dei Gruppe an anwesenden Fans schon einmal in Stimmung zu bringen und anschließend die Gäste vorzustellen. Es folgt ein Clip über die MLS. Danach betreten die Gäste, unter denen immer Don Garber, der oder die künftigen Teamowner, sowie veranwortliche Politiker oder Politikerinnen, sind, gemeinsam die Bühne. Es folgt begeistertes Jubeln im Publikum, viele fröhliche Gesichter, kurze Reden von allen beteiligten Personen, dazwischen die offizielle Verkündung, inkl. eines Clips was die jeweilige Stadt für schöne Vorteile der MLS gegenüber hat und anschließend werden gemeinsame Fotos gemacht, bevor die Pressekonferenz endet.

Es ist immer der gleiche Ablauf.

Dementsprechend war das natürlich auch in Austin nicht anders. Auf der Rückwand war bereits #AustinFC zu lesen und das Logo, das man bereits kannte, als die Gerüchte um einen Wechsel von Columbus Crew nach Austin, wird tatsächlich das offizielle Logo vom Austin FC.

Austin FC Logo und die Erklärungen dazu

Alexi Lalas, den die meisten heute wahrscheinlich vor allem als Analyst der MLS kennen, übernahm die Aufgabe des Anheizers und brachte tatsächlich viel Auflockerung in die Pressekonferenz, die ohne ihn sehr steif wirkte. Der ehemalige US- Nationalspieler und bekennende Musiker spielte sogar kurzzeitig auf seiner Gitarre, auch wenn davon nichts zu hören war.

Nach ihm folgten schließlich Don Garber, Anthony Precourt als der neue Teambesitzer und Austins Bürgermeister Steve Adler.

Steve Adler, Anthony Precourt, Don Garber, Alexi Lala auf der Bühne

Wie immer folgten kurze Reden mit lächelnden Gesichtern und, wie auch schon bei Alexi Lalas, Stichpunkten, die bei jeder Verkündung zu hören sind, wie zum Beispiel, dass es ist ein „historischer Tag“ sei oder „Austin is a soccer city“ (Lalas). Dazwischen bedankten sich alle freundlich beeieinander und ein paar andere wichtigte Personen wurden genannt.

Anthony Precourt verkündete zudem, dass man eine Akademie eröffnen werde.

Dazwischen gab es immer wieder mal vereinzelte Zwischenrufe von Fans, die etwas nettes riefen, worauf die drei Herren gern reagierten.

Fans Austin FC

Da der Ablauf immer gleich ist, kann dafür ein guter Vergleich aufgestellt werden und dabei wirkte diese Pressekonferenz leider ziemlich verkrampft. Es war deutlich zu spüren, dass das kein Projekt ist, das bereits seit etlichen Jahren mit viel Engagement betrieben wird, sondern in diesem Fall alles verhältnismäßig schnell von statten ging. An vielen Stellen wirkte es schliochtweg wie eine normale Pressekonferenz und es fehlte an Leidenschaft. Als Vergleich sei dabei die Verkündung zum Miami Club von David Beckham genannt, bei der genau das Leidenschaft und das Engagement an vielen Stellen zu sehen war.

In Austin wirkten die drei Herren auf der kleinen Bühne in der Rustic Tap Bar oftmals verkrampft und wie eine schlecht abgesprochene Inszinierung. Schön war dabei zu sehen, wie vor dem gemeinsamen Foto der Austin FC- Schal von einem Mitarbeiter noch einmal am Hals des Bürgermeisters geordnet werden musste, und beim gemeinsamen Foto zu sehen war, wie ein anderer Mitarbeiter allen frei Männern zeigte den Schal höher zu halten.

Austin FC

Selbstverständlich soll das nicht heißen, dass hinter dem Projekt keine Leidenschaft stecken würde und vielleicht blüht auch Anthony Precourt mit diesem Club auf. Die Pressekonferenz bot dennoch wenig Leidenschaft.

Wer sich die Pressekonferenz noch einmal ansehen möchte, kann das hier tun.

Fazit

Der Austin FC wird es schwer haben in der Fangunst weit nach oben zu kommen, denn die Solidarität mit Columbus Crew war in den letzten 1,5 Jahren Fanlagerübergreifend, weshalb das neue Projekt von Precourt gewiss besonders kritisch betrachtet werden wird. Vor allem auch aufgrund der Tatsache, wie schnell das Team seine MLS Rechte erhalten hat.

Das Team wird voraussichtlich 2021 in der MLS starten und bereits im Frühjahr desselben Jahres auch die ersten Heimspiele im Stadion bestreiten.

Und Precourt, der sich über die vermeintlich schlechten Zuschauerzahlen bei Columbus Crew beschwert hatte, muss nun natürlich beweisen, dass er mit seiner Entscheidung nach Austin zu ziehen, recht hatte. Schafft er das nicht, wäre das sowohl für ihn, wie auch für Don Garber eine Niederlage.

Die MLS hat von den 28 Teams, die Don Garber vor einigen Jahren angekündigt hatte, damit bereits 27 Teams benannt. 2019 kommt der FC Cincinnati, 2020 Nashville und wahrscheinlich Inter Miami und im Jahr darauf der Austin FC. Wie sinnvoll gerade die doch verhältnismäßif schnelle Entscheidung für den Austin FC (toller, kreativer Name …) für die Liga war, wird sich dann in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist aber, dass die MLS bei seiner letzten Verkündung für das 28. MLS Team auf die Qualität dessen achten muss, denn die natürliche Größe einer Liga erschöpft sich irgendwann – auch in den USA.

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