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Saisonvorschau MLS 2019 – Teil 5 von 6: Benehmen wie die Axt im Walde

Eine Woche vor dem Start in die neue Saison blicken wir auf 4 der verbleibenden 8 Teams. Mit dabei sind diesmal der Los Angeles FC, der FC Dallas und der New York City FC. Beginnen werden wir aber mit den Portland Timbers, die sich von Platz 8 der Regular Season bis ins MLS Cup Finale gespielt haben.

PORTLAND TIMBERS

Wenn man an ein Team denkt, dass weiter kommt als andere Mannschaften, dann denkt man in erster Linie an technisch feines Spiel, wunderbare Pässe und Torrekorde. Die Portland Timbers 2018 waren all das eher nicht. Sie waren nicht schlecht. Sie landeten auf Platz 8 von 23 Mannschaften, zogen damit in die Playoffs ein. Sie waren sogar gut, keine Frage. Sie waren aber nicht herausragend. Man hatte eigentlich nie das Gefühl, die Timbers würden ein ernstes Wörtchen um den MLS Cup mitreden. Doch in den Playoffs kam Portland einfach Runde für Runde weiter, sie benahmen sich sozusagen wie die Axt im Walde, um in der Sprache der Timbers zu bleiben. Nur für Atlanta United im Finale war diese dann doch zu stumpf.

Kann die Mannschaft von Coach Giovanni Savarese diesen Erfolg wiederholen? Schwer zu glauben, da man im Grunde ja schon in der Vorsaison über den eigenen Möglichkeiten spielte. 2018 wurden sie angeführt von erfahrenen Spielern (um nicht zu sagen: alternden Spielern) wie Diego Valeri (32), Sebastian Blanco (30) oder Diego Chara (32), die noch einmal ihre ganze Klasse ausspielten. Nur ist es kein Geheimnis, dass mit zunehmenden Alter die sportlichen Leistungen nicht gerade besser werden. Zwar besitzt Portland auch einige junge Spieler wie Stürmer Ebobisse (22), aber insgesamt ist das Team nicht gerade im Jugendwahn. Daran ändern auch die wenigen Neuzugänge nichts, lediglich Rechtsverteidiger Jorge Moreira (geliehen von River Plate) scheint ein Stammplatzkandidat – der ist aber auch schon 29 Jahre alt. Dennoch war auf dieser Position ein Upgrade nötig. Verteidiger Liam Ridgewell verließ die Timbers, der 34-jährige IV wechselte zu Hull City. Alvas Powell (LV) ging Richtung FC Cincinnati, ebenso Stürmer Fanendo Adi.

Man kann die Alterstruktur kritisieren, dennoch lag hier wohl das Erfolgsgeheimnis des Jahres 2018. Den „Holzfällern“ macht keiner was vor, die Spieler sind erfahren genug, um mit kritischen Situationen im Spiel umzugehen. Im Mittelfeld führen Blanco und Chara das Team an, sie sind die Eckpfeiler der Mannschaft. Beeindruckend: Die Timbers haben die letzten 20 Spiele, in denen Chara nicht gespielt hat, nicht gewinnen können. In vorderster Reihe fehlt es hingegen noch etwas an Qualität. Jeremy Ebobisse gehört im Bereich „Bälle festmachen“ bereits jetzt zu den Besten, ist ein sehr körperlicher Stürmer. Doch ein echter Torjäger wird er wohl nie werden. Womöglich legt man hier aber nochmal nach, es soll angeblich noch ein Designated-Player-Angreifer kommen.

Eine echte Hypothek für 2019 dürfte der Stadionumbau sein. Portland ist dabei, das Jeld-Wen Field zu erweitern, weswegen die Timbers die Saison mit 12 Auswärtsspielen in Folge (!) beginnen werden. MLS-Teams holen im Durchschnitt weniger als einen Punkt pro Spiel in Auswärtspartien, weshalb es nicht verwunderlich wäre, wenn der Klub zur Saisonmitte eher im unteren Tabellenbereich zu finden wäre.

Fazit: Die Timbers rückten vergangene Saison nach durchwachsener Regular Season noch bis ins MLS Cup Finale vor. Das erfahrene Team könnte erneut positiv von sich reden machen. Voraussetzung ist allerdings, dass sich das Alter nicht negativ bemerkbar macht und in der Offensive noch ein starker Stürmer verpflichtet wird.

NEW YORK CITY FC

Andrea Pirlo. Frank Lampard. David Villa. Bei diesen Namen schnalzen europäische Fussballfans mit der Zunge, und das völlig zu Recht. Diese Spieler gehörten über viele Jahre zu den Besten ihrer Zunft. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie spielten zum Ende ihrer Karriere beim New York City FC. Der Klub schmückte sich seit seiner Gründung immer wieder mit den Großen der Fussballwelt, doch nun verließ mit Villa der letzte Spieler dieser Reihe den „Big Apple“. Die Halbfinals der Eastern Conference, als sich der NYCFC Atlanta United geschlagen geben musste, waren die letzten Spiele dieser Dekade.

Coach Domenec Torrent, ehemaliger Co-Trainer von Pep Guardiola, steht nun vor einem Neuanfang. Als er im Sommer Nachfolger von Patrick Vieira wurde, musste er ein Team trainieren, das offensichtlich mit seinem Stil nicht so ganz warm wurde. Nun aber konnte er in diesem Winter-Transferfenster erstmals seine eigenen Ideen einbringen. Keine großen Namen, dafür hoffentlich Spieler, die Torrents Fussball besser entsprechen.

Villas Nachfolger als Designated Player im Sturm wurde Alexandru Mitrita. Er ist nicht der große Name, den die Fans womöglich als Ersatz erwarteten, doch er ist eine durchaus interessante Personalie. Eine ausführliche Beschreibung seines Werdegangs und seiner Fähigkeiten findet ihr ebenfalls hier in unserem Blog. Qualitativ gesehen dürfte Mitrita David Villa wohl ersetzen können, zumal dieser in 2018 ohnehin keine Hauptrolle spielte. Der Rumäne spielt weniger im Sturmzentrum wie der Spanier, hier soll allerdings ohnehin noch ein echter Stoßstürmer gekauft werden. Schwerer wiegen dürfte der Abgang von Yangel Herrera, der zu Huesca in La Liga wechselte. Auch die Mittelfeldspieler Wallace und McNamara verließen City, außerdem Stürmer Jo Inge Berget.

Die weiteren Neuen neben Mitrita sind vor allem junge und entwicklungsfähige Spieler, was stark im Gegensatz zu den letztjährigen Stareinkäufen steht. Hier ist Torrents Linie klar zu sehen. Die Mittelfeldspieler Keaton Parks und Juan Pablo Torres, aber auch der erst 17 Jahre alte Justin Haak – Versprechen auf die Zukunft.

Auch wenn die Abgänge von Herrera oder Villa schmerzen, der New York City FC besitzt noch immer eine exzellente Mannschaft. Maxi Moralez, der neue Kaitän Alexander Ring (früher u.a. 1. FC Kaiserslautern) oder Anton Tinnerholm sind nur einige Beispiele, dazu hat der Klub auch einige starke Nachwuchsspieler in seinen Reihen. Vor allem der 18 Jahre alte James Sands im Mittelfeld könnte eine der Überraschungen dieser Spielzeit werden. Domenec Torrent gilt als Förderer des U20-Nationalspielers.

Fazit: Ein Erreichen der Playoffs sollte kein Problem darstellen. Wie weit es dort gehen wird, hängt vor allem an der offenen Baustelle im Sturm. Kommt hier eine echte Verstärkung, könnte City um die Meisterschaft mitspielen.

FC DALLAS

Mit Platz 6 in der Regular Season qualifizierte sich das Team von Trainer Oscar Pareja für die Playoffs, scheiterte dort allerdings bereits in der Knockout-Round gegen die Portland Timbers. Danach gab Pareja, immerhin 5 Jahre Coach in Dallas, seinen Abschied bekannt. Er trainiert nun den Club Tijuana in der mexikanischen Liga. Ein harter Schlag, aber gleichzeitig die Chance für einen Neustart. Mit dem neuen Cheftrainer Luchi Gonzalez, bisheriger Direktor der Jugendakademie des Klubs, kam neue Euphorie ins Umfeld. Dessen Vision ist es, noch mehr eigene Jugendspieler hervorzubringen und in die 1. Mannschaft einzubauen. Die Jugendarbeit in Dallas gehört ligaweit zu den besten, was beispielweise der Wechsel von Chris Richards in die U19 des FC Bayern München zeigt.

Mit Maxi Urruti gab man den besten Torschützen der vergangenen drei Jahre an Montreal Impact ab. Ein Verlust, den man erstmal kompensieren muss. Der soll durch Zdenek Ondrasek aufgefangen werden. Der „Kobra“ genannte Angreifer passt mit seinen 30 Jahren auf den ersten Blick nicht in das auf junge Spieler ausgerichtete System, doch ist er ein typischer Abschlussspieler.

Weitere Abgänge sind Victor Ulloa (FC Cincinnati) und Tesho Akindele (Orlando City), dagegen kam mit Bressan (Gremio) eine Alternative für die Abwehr. Der eigentliche Königstransfer ist aber der hondurianische Nationalspieler Bryan Acosta (25, ZM) von CD Teneriffa. Ansonsten finden sich im Kader viele junge Spieler, die um Spielzeit kämpfen wollen. Zu den größten Talenten gehören hier sicherlich Paxton Pomykal und Brandon Servania.

Taktisch hat der neue Coach verschiedene Möglichkeiten. Das Team könnte sich leicht in einem 4-3-3 oder 4-4-2 aufstellen oder sogar 3-5-2 spielen, je nach Situation und Gegner. Am wahrscheinlichsten ist aber ein 4-2-3-1-System. Luchi Gonzalez hat durch viele neue, junge Spieler die Möglichkeit, dem Team seine eigene Handschrift zu geben. Das „Problem“: Unter seinem Vorgänger qualifizierte sich der FC Dallas viermal in 5 Jahren für die Playoffs. Genau das ist der Anspruch des Klubs. Auch wenn man neben einem neuen Trainer nun auch eine Reihe unerfahrener Eigengewächse in seinen Reihen hat.

Fazit: Da mittlerweile 6 statt 7 Teams pro Conference in die Playoffs einziehen, sollte der FC Dallas trotz des Umbaus gute Chancen haben, unter den ersten sieben Teams im Westen zu landen. Dennoch ist 2019 mit Sicherheit ein Übergangsjahr. Der Fokus auf die Entwicklung junger Nachwuchsspieler macht Dallas aber zu einer interessanten Mannschaft.

LOS ANGELES FC

Wenn man die erfolgreiche Gründung neuer Franchises in den letzten Jahren erwähnt, wird oft Atlanta United als Beispiel genannt. Keine Frage, aufgrund des Titels im vergangenen Jahr eine nachvollziehbare Logik. Doch man darf damit dem Los Angeles FC nicht Unrecht tun, denn die erste Saison seiner Klubgeschichte war ebenfalls eine extrem erfolgreiche. Der LAFC landete in der regulären Saison auf Anhieb unter den besten 5 Mannschaften der Liga. In der KO-Runde kam dann aber das Aus gegen Real Salt Lake.

Was den Klub neben dem sportlichen Erfolg aber noch auszeichnet: In L.A. spielte sich das Team um Superstar Carlos Vela direkt in die Herzen der Fans, die (vor allem stark Latino-geprägte) Fanbase wuchs enorm, das „Banc of California Stadium“ war im Grunde fast immer ausverkauft. Und die Stimmung war so enorm, dass selbst die Spieler von Borussia Dortmund diese bei einem Testspiel im Sommer positiv hervorhoben – wobei ja bekannt ist, dass in deren eigenem Stadion nicht die schlechteste Atmosphäre herrscht. Wenn man sich die Fankultur in Schwarz und Gold anschaut, könnte man meinen, der LAFC sei schon viele Jahre in der Liga.

Die Stärke der Mannschaft lag vor allem in der starken Offensive, die die „Engel“ in ihrer ersten Saison zu 16 Siegen führte. Das Dreieck Carlos Vela, Diego Rossi und Adama Diomande war überragend, jeder dieser Spieler erreichte eine zweistellige Anzahl an Toren. Als Gerüchte um ein Interesse des FC Barcelona an Vela aufkamen, musste man zunächst um den Bestand des Trios zittern, glücklicherweise schien das Interesse aber wenig konkret. Die drei Angreifer dürfen sich also 2019 erneut beweisen. Dass das Team von Bob Bradley im vergangenen Jahr am Ende so knapp in den Playoffs scheiterte, scheint tatsächlich nur ein kleiner Fleck auf einer fast makellosen Saison zu sein.

Mit Mittelfeldspieler Benny Feilhaber (Colorado Rapids) verließ ein Spieler den Klub, der ein Hauptakteur in der Zentrale war. Stürmer Marco Urena aus Costa Rica (zurück in die Heimat zu Alajuelense) war zwar kein hundertprozentiger Stammspieler, machte dennoch 18 Spiele (1 Tor, 5 Assists). Zudem wechselte Joao Moutinho zu Orlando City, er wurde im MLS Super Draft 2018 als erster Spieler gewählt, konnte sich aber nicht auf Anhieb durchsetzen. Mit Eddie Segura (Atletico Huila, Kolumbien) kam ein Innenverteidiger mit Aussichten auf einen Stammplatz. Der im Tausch mit Moutinho gekommene El-Munir dürfte als Linksverteidiger gute Karten haben, zudem soll Stürmer Rodolfo „Fito“ Zelaya dem Angriff noch mehr Tiefe verleihen.

Fazit: Aufgrund seiner enormen Offensivstärke und den tollen Fans im Rücken sollte das Erreichen der Playoffs für den Los Angeles FC keine Herausforderung darstellen. Wenn die Neuzugänge sich gut einfügen, könnte ein Durchmarsch möglich sein. Ziel sollte sein, auf jeden Fall weiter zu kommen als 2018.

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