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Saisonvorschau MLS 2019 – Teil 4 von 6: Amerika entdeckt Columbus & Tanner-Time in Philly

Im vierten Teil der MLS-Saisonvorschau geht es weiter mit Real Salt Lake, Philadelphia Union und D.C. United. Außerdem schauen wir auf Columbus Crew, das unter neuer Führung einen echten Boom erlebt.

REAL SALT LAKE

Das Franchise aus Utah erlebte eine recht gemischte Saison 2018, überwiegend kann man aber zufrieden sein. In einem spannenden Finale rückte man noch an LA Galaxy vorbei in die Playoffs, überstand dann sogar die Knockout-Round gegen den Los Angeles FC. Letztlich war im Conference-Halbfinale gegen Sporting Kansas City dann Schluss.

Real hatte seine speziellen Geschichten. So wurde mit Alfredo Ortuno eine Nummer 9 verpflichtet, dem Spanier wurde ein üppiges Gehalt gezahlt, doch er spielte insgesamt gerade einmal 119 Minuten und ging bereits im Juli zurück in seine Heimat. Und was machte Salt Lake? Stellte den zentralen Mittelfeldspieler Damir Kreilach, ehemals Union Berlin, ins Sturmzentrum. Und was noch besser ist: Es funktionierte! Der Kroate traf 12 mal in der Regular Season (8 Vorlagen) und erzielte in den Playoffs beim LAFC eines der schönsten Tore dieser Spielzeit. Ein echtes Märchen. Reals Spiele gegen LA-Teams hatten tatsächlich ihren speziellen Reiz: Wer erinnert sich nicht gern an die Ente auf dem Spielfeld im Match gegen Galaxy.

Real Salt Lake und Coach Mike Petke, all das war pures Entertainment. Doch wie wird es 2019 weitergehen? Mit Sam Johnson von Valerenga Oslo verpflichtete man einen neuen Designated Player; ein Transfer, der hauptsächlich fragende Blicke erntete. Es bleibt abzuwarten, ob der liberianische Stürmer tatsächlich eine Verstärkung werden kann. Dafür müsste er erstmal an Kreilach vorbei. Für das defensive Mittelfeld wurde Everton Luiz von SPAL Ferrara geliehen, er dürfte gute Chancen auf einen Stammplatz haben. Ansonsten blieb RSL seiner Linie treu und holte einige junge Spieler in den Kader.

Der Kern blieb erhalten, zwei potentielle Starter kamen dazu – Trainer Petke hat viele Möglichkeiten zu variieren. Eine echte erste Elf zu benennen ist nicht leicht, doch es ist fakt, dass Salt Lake ein gutes Team mit Qualität besitzt. Der offensive Mittelfeldspieler Rusnak, Senior Kyle Beckerman oder eben Kreilach – RSL hat eine starke Achse, ist stabil, kann frischen Schwung von der Bank bringen und besitzt vor allem offensiv eine gute Tiefe im Kader. Einzig bleibt das Fragezeichen, wie der recht junge Kader mit Rückschlägen umgehen würde.

Fazit: RSL ist ein Playoff-Team. Wie weit es dort letztlich gehen könnte, hängt von vielen Faktoren ab. Spannend zu sehen, ob Real dabei wieder so unterhaltsam ist wie vorige Saison.

PHILADELPHIA UNION

Die letzte Saison schien die beste aller Zeiten für die Philadelphia Union zu sein, auch wenn man am Ende das große Ziel verfehlte. Union spielte eine Regular Season mit 50 Punkten und erreichte das dritte Mal die MLS-Playoffs (in neun Spielzeiten), schied aber erneut direkt aus. Man erreichte das US-Open-Cup-Finale zum dritten Mal in fünf Jahren, verlor dieses aber deutlich gegen Houston Dynamo. Es scheint so, als hätte Philly große Probleme in den entscheidenden Spielen. Und doch ist der Klub auf dem richtigen Weg.

Ein wichtiger Baustein für zukünftigen Erfolg dürfte die Einstellung von Ernst Tanner als Sportdirektor sein, die im August 2018 bekannt wurde. Dass der gebürtige Bayer das Ruder bei Union übernahm, könnte für Philadelphia eine einmalige Chance bedeuten. Tanner war in der Vergangenheit unter anderem verantwortlich für die Entdeckung, Verpflichtung und Weiterentwicklung von Spielern wie Roberto Firmino, Kevin Volland, Sven und Lars Bender, Niklas Süle, Sebastian Rudy, David Alaba oder Sadio Mane. Vor acht Jahren holte er Julian Nagelsmann als U17-Trainer nach Hoffenheim. Und dass Tanner dabei seinen eigenen Kopf hat und auch bereit ist, andere Wege zu gehen, zeigte er recht schnell, als er alle Union-Draftpicks verkaufte. Begründung: Die zu draftenden Spieler seien nicht gut genug.

Der größte Clou des Winters war ohne Frage die Verpflichtung von Marco Fabian. Der Mexikaner, der aus Frankfurt kam, hat in Amerika einen großen Namen, und auch wenn er zuletzt mehr an Verletzungen laborierte als wirklich auf dem Platz zu überzeugen, so ist es extrem spannend zu sehen, ob das Experiment funktioniert. Bleibt Fabian fit, gibt es wenig bessere Fussballer in der Liga. Auf der anderen Seite muss der Abgang von Borek Dockal ersetzt werden, der 5 Tore und 11 Vorlagen auf seinem Konto hatte. Der tschechische Nationalspieler kickt mittlerweile wieder in seiner Heimat bei Sparta Prag. Auch der Deutsche Fabian Herbers verließ den Verein (zu Chicago Fire), er spielte in 2018 allerdings nur selten.

Mit dem 24 Jahre alten Sergio Santos kam ein neuer Stürmer nach Philly, der für Coach Curtin eine weitere gute Offensivoption darstellt. Inwieweit der junge Yomi Scintu (21), der vom VfB Eichstätt (Regionalliga) kam, hier eine Rolle spielen kann, bleibt abzuwarten. Insgesamt verfügt Union über eine erfahrene Mannschaft. Marco Fabian, dazu Haris Medunjanin (33) und Alejandro Bedoya (31) – alles Spieler, die vor allem die Jungen wie Mark McKenzie (19) und Auston Trusty (20) führen sollen. Mit Kai Wagner kam zudem ein deutscher Linksverteidiger von den Würzburger Kickers, der Druck auf Matthew Real machen soll.

Fazit: Philadelphia Union könnte im Idealfall erneut um die 50 Punkte holen, was wohl für die Playoffs reichen würde. Spielerisch ist das Team ein sehr spannendes Projekt. Die Fabian-Verpflichtung hinterlässt aber einen Beigeschmack: Was ist, wenn seine Verletzungsanfälligkeit ein Faktor wird?

COLUMBUS CREW

Es war mit Abstand die schwierigste Saison der Klubgeschichte. Nachdem der Owner Anthony Precourt das Franchise nach Austin verlegen wollte, starteten die Fans eine unglaubliche Aktion, um ihren Klub in Columbus zu halten (#SavetheCrew). Im ganzen Land solidarisierten sich die Fans mit der Crew. Die Rettung gelang, der Investor ging alleine nach Austin und wurde durch eine lokale und engagierte Besitzergruppe ersetzt, die nun ein neues Stadion im Herzen der Stadt plant. Mit Coach Caleb Porter, ebenfalls gebürtig aus Ohio, scheint den Anhängern nun eine goldene Ära bevorzustehen. Die Ticketverkäufe explodierten in den letzten Wochen regelrecht.

Zu den sportlichen Fakten: Wenn man das Drumherum im Umfeld betrachtet, so muß man sagen, daß die Crew trotz allem ein recht erfolgreiches Jahr 2018 gespielt hat. Problematisch war die offensive Durchschlagskraft. Obwohl Trainer Gregg Berhalter für seine offensive Ausrichtung bekannt ist, konnte das Team zuwenig Tore erzielen. Lediglich Gyasi Zardes und Federico Higuain konnten hier überzeugen, abgesehen davon fehlte die Gefährlichkeit, gerade von den Flügeln. Nur die starke Abwehr hielt die Crew im Playoff-Rennen.

Im Winter veränderte sich nicht nur im Umfeld des Klubs viel, auch sportlich gab es einige Änderungen. Berhalter wurde zum neuen US-Nationaltrainer ernannt, Caleb Porter übernahm das Team. Torhüter Zach Steffen unterschrieb bei Manchester City, bleibt jedoch noch bis zum Sommer in der MLS. Ihn zu ersetzen dürfte schwer werden, Neuzugang Joe Bendik könnte nach seinem Abgang eine Option sein. Bitter: Der junge argentinische Linksverteidiger Milton Valenzuela kam von Newell´s Old Boys und war als Stammspieler eingeplant, verletzte sich aber sofort schwer und fällt lange aus. Hier wurde mit Waylon Francis direkt ein Ersatz verpflichtet.

Die Abwehr könnte dennoch weiter das Prunkstück bilden; das Dreieck Will Trapp, Artur und Federico Higuain bildet einen der besten Mittelfeldblocks der MLS. Gerade Federico „Pipa“ Higuain (Bruder von Chelseas Gonzalo Higuain) merkt man sein fortschreitendes Alter kaum an – spielt er gut, spielt die Crew gut. Ob sich das Flügelspiel unter Porter verbessern wird? Das wäre notwendig, um höhere Ziele anzupeilen.

Fazit: Der neue Coach wird das 4-2-3-1-System wohl beibehalten, dennoch soll sich taktisch einiges ändern. So will Porter vor allem Wert auf Pressing legen. Da das Team größtenteils zusammenblieb, sollten die Playoffs erreicht werden. Wenn Porters Änderungen funktionieren, vielleicht auch mehr.

D.C. UNITED

Der Klub hat ein wirklich kurioses Jahr hinter sich. United musste mit einer scheinbar nie endenden Reihe von Auswärtsspielen starten, da das eigene Stadion, das Audi Field, noch nicht fertig war. Zur Mitte der Saison hatte DC gerade mal drei Heimspiele absolviert, war ansonsten immer nur unterwegs und lag auf dem letzten Platz. Im Juli aber gab es große Veränderungen: Die neue Heimspiel-Stätte öffnete ihre Pforten, während gleichzeitig Wayne Rooney sein Debüt für Washington gab. Mit vielen Heimspielen in Folge im Rücken und dem neuen Star schwangen sich die Adler plötzlich auf und United schaffte es sogar noch in die Playoffs, auch wenn dort in der KO-Runde gegen Columbus Schluß war. Vor allem das starke Zusammenspiel zwischen Rooney und Luciano Acosta versetzte die Anhänger in Euphorie.

Vor wenigen Wochen sah es dann plötzlich danach aus, daß dieses Gespann kommende Saison nicht mehr zusammenspielen würde. Acosta war als Neuzugang bei Paris St. Germain im Gespräch, reiste sogar schon in die Stadt der Liebe, um für einen Medizincheck in letzter Minute bereit zu stehen. PSG nahm aber von einer Verpflichtung Abstand, dem Vernehmen nach weil Thomas Tuchel wenig von Acosta hält. Schlecht für den Argentinier, dessen Traum von Europa (vorerst) platzte. Gut für DCU.

Die Abgänge des Winters sind zu verschmerzen. Darren Mattocks (zum FC Cincinnati) hatte starke Spiele für United gemacht, nach der Ankunft von Rooney war er aber nur noch dessen Backup. DeLeon ging nach Toronto. Lediglich Yamil Asad hätte man gern gehalten, doch sein Stammverein Velez Sarsfield ließ hier nicht mit sich reden, weshalb er nach Argentinien zurückkehrte. Mit Lucas Rodriguez kam ein neuer, talentierter offensiver Mittelfeldspieler, immerhin U20-Nationalspieler Argentiniens. Ebenfalls von dort kam Rechtsverteidiger Leonardo Jara, der das Loch auf der rechten Abwehrseite stopfen soll. Er war zuletzt Stammspieler bei den Boca Juniors. Durch seinen Einkauf dürfte Paul Arriola auf die rechte offensive Außenbahn vorrücken. Die restlichen Neuen dürften vor allem für mehr Kadertiefe sorgen. Eine wichtige Personalie ist auch die Vertragsverlängerung mit Trainer Ben Olsen, der im Verein eine echte Legende ist.

Fazit: D.C. United geht in seine erste komplette Saison mit Wayne Rooney und dem neuen Stadion. Der Kader wirkt auf den ersten Blick stärker als im Vorjahr. Unter diesen Vorzeichen sollten die Playoffs klar erreicht werden – doch DCU hat das Potential für mehr. Das Conference-Final scheint möglich.

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