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Saisonvorschau MLS 2019 – Teil 6 von 6: Ob „Bullen“ oder „Streifen“, sie alle nach dem Titel greifen!

Der Saisonstart der Major League Soccer 2019 steht unmittelbar vor der Tür, am Samstagabend startet die neue Spielzeit mit dem Duell Philadelphia Union gegen den Toronto FC. Rechtzeitig beschließen wir nun also unsere kleine Vorschau mit den verbliebenen vier Teams – den Seattle Sounders, Sporting Kansas City, den New York Red Bulls und dem MLS Champion 2018, Atlanta United.

SEATTLE SOUNDERS FC

Nachdem Seattle 2016 und 2017 jeweils im MLS Cup Finale stand, erwarteten nicht wenige Experten die Sounders auch 2018 im Endspiel. Und im Grunde lief alles gut: Man zog nach einem etwas schwächeren Start und der Verpflichtung von Raul Ruidiaz im Sommer noch souverän in die Playoffs ein, traf dann im Halbfinale der Western Conference als Favorit auf den Erzrivalen Portland Timbers. In einem dramatischen Rückspiel verlor Seattle erst im Elfmeterschießen, die Timbers zogen in die nächste Runde ein. Die Hoffnungen auf das dritte Finale in Folge platzten.

Im Winter-Transferfenster fielen die personellen Veränderungen gering aus. Warum auch, schließlich lief es ja, bis auf das Ausscheiden in den Playoffs, recht gut. Mit Osvaldo Alonso (Minnesota United) verließ ein verdienter Spieler den Klub, der sportlich sicher zu verschmerzen ist, als Teamleader und Führungsspieler dürfte er allerdings vermisst werden. Die restlichen Abgänge sollten gut zu kompensieren sein. Neue Spieler sehen die Fans recht wenige: Verteidiger Jonathan Campbell (Chicago Fire) soll als Verteidiger-Backup dienen, dazu der neue und talentierte Ersatzkeeper Tree Muse. Ansonsten wurden einige Draft Picks fest verpflichtet und ein paar Leihspieler kehrten zurück.

Der Kader der Sounders ist aufgrund der wenigen Änderungen noch immer qualitativ gut bestückt. Angefangen von starken Schweizer Schlussmann Stefan Frei, dem vielleicht besten Keeper der Liga, bis hin zu Angreifer Ruidiaz, der eine starke (halbe) Debütsaison ablieferte, besitzt Seattle eigentlich kaum Schwächen. Die Rückkehr von Rechtsaußen Jordan Morris nach einer Knieverletzung dürfte sich ebenfalls positiv positiv auswirken. Dadurch könnte Lodeiro wieder mehr in die Zentrale rücken. In der Defensive lautet auf dem linken Flügel die Frage: Spielt der vom AFC Bournemouth geliehene Bradley Smith, ein australischer Nationalspieler? Oder doch der jüngere Nouhou Tolo?

Fazit: Alles deutet darauf hin, dass die Sounders 2019 ein gewichtiges Wort um den Titel mitspielen können. Der Kader ist ausgeglichen besetzt, man besitzt Erfahrung, spielte in der zweiten Hälfte der vergangenen Saison teilweise überragend und wurde lediglich vom Überraschungsteam Portland gestoppt. Ein Betriebsunfall, den Seattle nun vergessen machen will.

SPORTING KANSAS CITY

Sporting KC gewann die Western Conference in der Regular Season und zeigte damit erneut, welche Stärke das Team besitzt. Nachdem man im Conference-Halbfinale Real Salt Lake bezwingen konnte, machte man es eine Runde später den Seattle Sounders nach – auch Kansas City verabschiedete sich gegen die „Holzfäller“ aus Portland und musste denen das MLS Cup Finale gegen Atlanta United überlassen. Nach einem 0:0 im Hinspiel gewannen die Timbers das Rückspiel mit 3:2.

Das Team aus Missouri hat sich nach dem Titelgewinn 2013 in den letzten Jahren als Spitzenmannschaft etablieren können und gehörte eigentlich immer zu den Anwärtern auf die Meisterschaft. Ein Hauptgrund liegt hier bei Trainer Peter Vermes, der seit 2009 als Coach für Sporting in der Verantwortung steht. Diese Konstanz über einen langen Zeitraum hat dem Franchise sichtlich gut getan. Egal welche Spielerwechsel es gab, schaffte es Vermes immer, die Qualität der Mannschaft hoch zu halten, obwohl man nicht zu den reichsten Franchises der Liga gehört. Und es ist nicht zu erwarten, dass der Erfolg 2019 plötzlich ausbleiben wird.

Der Abschied von Ike Opara in Richtung Minnesota United war überraschend. Der Innenverteidiger bildete gemeinsam mit Matt Besler eine der besten IV-Duos der Liga. Scheinbar wollte er das nun auch zu Geld machen, doch bei Sporting war man wohl nicht bereit, den Vertrag deutlich aufzustocken, weshalb man ihn gehen ließ. Der Grund liegt vor allem darin, dass mit dem beim FC Barcelona ausgebildeten Andreu Fontás noch ein zentraler Verteidiger im Kader ist, den man mit dem Anspruch auf einen Stammplatz verpflichtet hatte. Er dürfte nun Oparas Platz übernehmen. Mit Diego Rubio (Colorado Rapids) und Khiry Shelton (SC Paderborn) verließen auch zwei Offensivspieler den Klub. Rubio erzielte immerhin 8 Tore in der Vorsaison, bei Shelton waren es weniger die Vollstrecker-Qualitäten, die fehlen werden, sondern mehr seine Schnelligkeit und Dynamik.

Auf Seiten der Neuzugänge findet sich mit Kelyn Rowe ein Spieler, der zuletzt bei New England tätig war, dem aber nicht wenige mit seinem Wechsel nach Kansas City einen deutlichen Sprung zutrauen. Botond Barath verstärkt die ungarische Fraktion im Klub und stellt eine Option in der Innenverteidigung dar. Rodney Wallace kam aus New York vom NYCFC, ist eine Alternative auf dem Flügel, Erik Hurtado (aus Vancouver) ist ein Mittelstürmer-Backup.

Insgesamt verändert sich an der Stammelf eher wenig. Tim Melia ist ein souveräner Keeper, die Abwehr ist mit Zusi, Besler und Fontas ebenfalls unaufgeregt und sollte auch in 2019 ein Schlüssel für eine erfolgreiche Spielzeit sein. Im Mittelfeld stehen Trainer Vermes viele Optionen zur Verfügung, selbst der gute Neuzugang Rowe muß hier zunächst beweisen, daß er einen Startplatz verdient. Ein Auge sollte man auf Youngster Gianluca Busio werfen. Der ist zwar erst 16 Jahre alt, gilt aber als eines der größten MLS-Talente. Im Angriff soll Krisztian Nemeth für die nötigen Tore sorgen. Einen kleinen Zweifel gibt es, ob seine Qualität ausreicht – Nemeths Leistung im ersten Spiel der CONCACAF Champions League in der vergangenen Woche war allerdings hervorragend.

Fazit: Sporting Kansas City gehört zu den besten Teams der MLS. Wenn alles normal läuft, sollte man in den Playoffs wieder Richtung Finale unterwegs sein. Dort entscheidet dann wie so oft die Tagesform.

NEW YORK RED BULLS

Die „kleine Schwester“ von RB Leipzig in der Red-Bull-Fussballfamilie (okay, Familie ist ein sehr schmeichelnder Ausdruck, geht es doch im Fussball immer um Geld) räumte in der Regular Season den „Supporters Shield“ ab, gewann diesen als bestes Team der Saison. Und als bestes Team nach 34 Spielen ist es keine Frage, dass man auch den großen Titel haben will. Vor allem dann, wenn man den Rekord für die meisten Punkte in einer Saison gebrochen hat. Nach einem 1:0-Sieg im Hinspiel der Conference Finals gegen Atlanta United musste man sich im Rückspiel dann aber mit 0:3 geschlagen geben, weshalb es erneut nichts wurde mit dem MLS Cup. Der „Supporters Shield“ ist zwar eine nette Sache und liest sich gut auf dem Briefkopf, ist aber nun mal nur so etwas wie ein Trostpreis, wenn es am Ende nicht für den ganz großen Sprung reicht.

Bitter, eine Saison am Ende so zu verlieren, obwohl man doch sportlich komplett überzeugen konnte. In der Saisonmitte verließ Jesse Marsch die Red Bulls in Richtung Leipzig, Chris Armas wurde sein Nachfolger. Normalerweise ein Vorgang, der ein Team erstmal beschäftigt und sich auf die Leistung auswirken könnte. Nicht so bei den Bullen, man machte einfach weiter, das Spiel blieb konstant gut. Ein Vorteil dabei dürfte sein, dass in der Red-Bull-Familie (da haben wir sie wieder!) ohnehin alle Klubs dieselbe Spielidee verfolgen, Armas sozusagen alles komplett so fortführte, wie Marsch es hinterlassen hatte. Ein weiterer Beweis, dass Konstanz im Fussball ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, egal in welchem Bereich.

Einen weiteren gewichtigen Abgang gab es nun im Winter. Tyler Adams wechselte ebenfalls nach Leipzig, wo er direkt ein starkes Debüt zeigte. Der defensive Mittelfeldspieler wird New York fehlen, seine Präsenz und Stärke im Bälle gewinnen waren immens. Aurelien Collin und Fidel Escobar gingen ebenfalls, sie zu ersetzen sollte im breiten RB-Kader allerdings weniger problematisch sein. Was die Neuzugänge betrifft, blieben die Red Bulls natürlich ihrer Linie treu und holten junge, talentierte Spieler, was nun mal der Anspruch des Klubs ist. Talent holen, ausbilden, teuer weiterverkaufen. Matthias Jörgensen, Marcus Epps, Jean-Christophe Koffi, Omir Fernandez -um nur einige Namen zu nennen- passen in dieses Raster. Wichtiger als die Neuen dürften aber vor allem die Vertragsverlängerungen mit den Innenverteidigern Tim Parker und Aaron Long sein, die in 2018 so gut wie unüberwindbar waren.

Das System von Red Bull ist weltweit bekannt: Pressing, Pressing, Pressing. Spieler jagen, so lange das Spiel läuft. Den Ball erkämpfen, nach vorne spielen, Tore erzielen. Doch ein System zu kennen heißt noch lange nicht, auch ein Gegenmittel zu haben. Für die meisten Teams der Liga waren die New York Red Bulls mit ihrer Art, Fussball zu spielen, kaum zu schlagen. Doch Coach Armas will nun mehr und mehr das tun, was beispielsweise auch RB Leipzig als Ziel hat: Das System so modifizieren, dass man mit mehr Ballbesitz auch defensivere Teams bespielen kann. Denn da hat das Pressingsystem seine Schwächen: Wie will man pressen, wenn der Gegner nur verteidigen will und so gut wie nie den Ball hat?

Fazit: Die Red Bulls haben einen der tiefsten Kader der Liga, kann so gut wie jeden Spieler ersetzen. Mit dieser Qualität werden sie erneut ein Anwärter auf den MLS Cup sein.

ATLANTA UNITED

Es dürfte kein Geheimnis sein, dass Atlanta United 2018 das Non plus ultra der MLS war. Egal in welchem Spiel, Coach Tata Martino schaffte es immer wieder, seine Taktik so anzupassen, wie es nötig war, um Erfolg zu haben. Als Ergebnis siegte man im Finale gegen die Portland Timbers und gewann den ersten Titel seiner Klubgeschichte. Mittendrin: Die Deutschen Julian Gressel und Kevin Kratz. Während Kratz mit tollen Freistoßtoren auf sich aufmerksam machte, lösten die Leistungen von Gressel sogar die „Gresselmania“ aus, so daß sein Name mittlerweile immer mal wieder mit möglichen Zielen in der Bundesliga in Verbindung gebracht wird.

Trotz des Erfolgs und eines unbeschreiblichen Fussball-Booms in Atlanta (der Stadt, die endlich mal einen Sporttitel gewinnen konnte), die neue Saison ist mit einigen Fragezeichen behaftet. Meistercoach Martino verließ Atlanta, wird neuer Nationaltrainer von Mexiko. Und auch der Abgang des überragenden Spielmachers Miguel Almirón für eine Rekordablöse zu Newcastle United schmerzt die Fans von United, auch wenn dieser Verkauf fast schon zu erwarten war. Positiv allerdings, dass der Torschützenkönig Josef Martinez den „Five Stripes“ erhalten blieb.

Mit Frank de Boer kam ein völlig anderer Trainertyp. Auch wenn seine Engagements bei Inter Mailand und Crystal Palace nicht unbedingt von Erfolg gekrönt waren, so hat er in seinen Jahren bei Ajax Amsterdam durchaus bewiesen, ein guter Coach zu sein. Als Ersatz für den scheidenden Almirón griff man ins höchste Regal: Gonzalo „Pity“ Martinez (25), gerade noch Copa-Libertadores-Sieger mit River Plate geworden, entschied sich für Atlanta, obwohl die meisten Experten einen Wechsel in La Liga oder die Premier League erwartet hatten. Ein Transfer als Statement: Atlanta United will keine Eintagsfliege sein, sondern der perfekte Zwischenschritt nach Europa.

Neben Pity Martinez kam mit Brek Shea eine Alternative für die linke defensive Außenbahn, er sollte mit dem Riesentalent George Bello (17) um einen Startplatz kämpfen. Innenverteidiger Florent Pogba (Bruder von Manchesters Paul Pogba) ist ein Backup für Parkhurst und Perez, während der junge Anderson Asiedu langsam an das Team herangeführt werden soll.

Abgesehen von Almirón ist die Mannschaft eingespielt, doch De Boer wird dem Team sicher sein eigenes Gesicht geben. In der Vorbereitung spielte sich vor allem Innenverteidiger-Talent Robinson in den Vordergrund, er hat sogar Chancen auf einen Stammplatz. Die Frage wird sein, wie das Team mit dem neuen Trainer klar kommt und ob Pity Martinez den angewanderten Almirón 1:1 ersetzen kann. Dass er die Qualität dafür besitzt, ist keine Frage, aber wie wird das Zusammenspiel mit Barco, Villalba und Josef Martinez funktionieren?

Fazit: Atlanta United will erneut für Furore sorgen. Das Team besitzt das Können, um das auch wieder zu tun. Wenn die offenen Fragen bezüglich De Boers Einfluss als neuer Trainer und den Almirón-Ersatz Pity Martinez zur Zufriedenheit geklärt werden, dann spielen die „Five Stripes“ erneut um die Meisterschaft.

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