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Saisonvorschau MLS 2019 – Teil 3 von 6: Knapp daneben ist auch vorbei

Teil 3 der Vorschau auf das MLS-Jahr 2019. Heute beleuchten wir wieder 4 Teams, die alle nach der Regular Season scheiterten – im Falle des Rekordmeisters LA Galaxy sogar in einem dramatischen Schlussakt am letzten Spieltag. Die drei anderen Mannschaften: New England Revolution, Montreal Impact und die Vancouver Whitecaps.

NEW ENGLAND REVOLUTION

Bei den „Revs“ begann 2018 eine neue Ära. Der vormalige Coach Jay Heaps, der mit New England 2014 bis ins MLS-Cup-Finale gekommen war, wurde im September 2017 entlassen, sein Nachfolger Brad Friedel sollte neuen Schwung in das Franchise bringen. Das gelang zu Beginn 2018 recht gut, doch Revolution brach im Sommer ein und verspielte mit einer miserablen Serie (im Juli und August holte man nur 2 von 24 möglichen Punkten) seine Playoff-Chancen.

Auf der Seite der Abgänge standen in dieser Transferperiode hauptsächlich Spieler, deren Verträge ausliefen und die man nicht verlängern wollte. Mit Kelyn Rowe (zu Sporting Kansas City) verließ ein potentieller Starter das Team, der Rest der Abgänge dürfte leichter zu kompensieren sein. Zugänge gab es ebenfalls nicht viele, allerdings scheinen die teils vielversprechend, allen voran Carles Gil. Der Spanier kam von Deportivo La Coruna, war auch schon in der Premier League tätig. Mit 26 Jahren ist er im besten Alter und könnte New England auf der „Zehn“ (oder alternativ auf dem Flügel) neuen Esprit geben, auch wenn er in den letzten Jahren etwas schwächer war. Linksverteidiger Edgar Castillo kam von den Colorado Rapids und war in deren unterdurchschnittlicher Spielzeit einer der besseren. Angreifer Juan Fernando Caicedo wechselte von Independiente Medellin (Kolumbien) nach Boston.

Brad Friedel versuchte mit seinem Team, ein Pressingsystem zu installieren, was 2018 nur so semi-gut funktionierte. Zwar wurde gut gepresst, allerdings letztlich zu wenig daraus gemacht. Da der Trainer jetzt in sein zweites Jahr mit den Spielern geht, dürfte das System nun im Idealfall noch besser umgesetzt werden, was vielleicht einen Schritt nach vorn bedeutet. Doch ob das wirklich funktioniert bleibt abzuwarten. Die Vorbereitung lief alles andere als rund, die Ergebnisse waren teilweise erschreckend.

Fazit: Gelingt es der Mannschaft, Friedels Taktik noch besser umzusetzen? Zeigen die potentiellen Führungsspieler wie Mancienne, Fagúndez und Pinilla ihre Qualitäten? Und kann Neuzugang Gil den Turbo zünden? Wenn ja, dann könnten die „Revs“ in der Eastern Conference um die Top 5 mitspielen und sich damit für die Playoffs qualifizieren. Doch momentan muss man daran eher zweifeln.

MONTREAL IMPACT

In einer Liga, in der mehr als die Hälfte der Teams die Playoffs erreichen, muss man wohl jede Saison ohne Playoff-Einzug als Enttäuschung verbuchen. Im Fall von Montreal Impact allerdings muss man Gnade vor Recht ergehen lassen. Die Kanadier hatten einen großen Umbruch eingeleitet, Remi Garde als neuen Trainer installiert. Der Start war dann entsprechend holprig, 11 der ersten 15 Spiele wurden verloren. Im Juni war Impact das Tabellen-Schlusslicht, das Experiment schien gescheitert. Coach Garde wurde sehr dünnhäutig, und alles sah danach aus, dass sein Engagement in Montreal dem Ende zugehen sollte.

Doch irgendwie platzte dann plötzlich der Knoten, die Mannschaft holte aus den letzten 19 Spielen ganze 34 Punkte, was am Ende aufgrund des miserablen Starts zwar nicht für die Postseason reichte, dem Trainer aber seinen Kopf rettete. Hätte Impact diesen Punkteschnitt über die komplette Saison erreicht, wäre man in der Conference auf Platz 3 gelandet.

Bei den zahlreichen Abgängen des Winters sind kaum Spieler dabei, deren Ausscheiden dem Klub wirklich weh tut. Lediglich Alejandro Silva könnte fehlen; Duvall und Fanni spielten zwar oft, scheinen allerdings ersetzbar. Im Vergleich zu den vielen Abgängen ist die Liste der gekommenen Spieler bislang recht kurz, vielleicht tut sich hier in den kommenden Wochen noch etwas. Eine echte Bereicherung ist Maxi Urruti (vom FC Dallas), der nun die Nummer 1 im Angriff sein dürfte. Ansonsten wird Remi Garde wohl zunächst der Elf vertrauen, die zuletzt gute Leistungen zeigte.

Fazit: Wenig Transfer-Bewegung rund um die erste Elf, das sollte ein Vorteil von Montreal Impact sein. Die Mannschaft ist eingespielt, hat Führungspersönlichkeiten im Kader (Sagna, Piatti) und hoffentlich aus dem schwachen 2018er Start gelernt. Doch Sagna und Piatti sind auch nicht mehr die Jüngsten. Welches Gesicht wird man 2019 zeigen – das der ersten oder zweiten Saisonhälfte? Eine Voraussage fällt so schwer wie bei wenigen Teams in der Liga.

VANCOUVER WHITECAPS

Die Whitecaps spielten eine ruhige Saison. Ein Abrutschen in den Keller war kein Thema, die Playoffs schienen eine Nummer zu groß. Für die Highlights sorgte Alphonso Davies, das kanadische Toptalent, dessen Abgang zu Bayern München im Winter schon einige Zeit feststand. Sein Spiel, seine Tore, das war Fussball zum mit der Zunge schnalzen. Davies hat definitiv das Zeug um sich in Europa durchzusetzen.

Im Sommer machte das Front Office der Caps einen großen Schnitt, leitete ein „Rebuild“ ein, beginnend mit dem neuen Coach Marc Dos Santos (41), ein ausgesprochener Fussball-Fachmann mit frischen Ideen und Erfahrung rund um die Welt. Gleichzeitig wurde der Kader komplett auf links gedreht, viele Spieler verließen den Klub, viele neue kamen – ein Umbau, so groß wie in keinem anderen Franchise der Liga. Ein Grund dafür: Der neue Coach, der eine der interessantesten Personalien der kommenden Spielzeit ist, will ein neues System spielen lassen, vermutlich ein 4-3-3.

Ein großer Teil der neuen Spieler weckt Interesse. Mit In-beom Hwang kommt ein junger südkoreanischer Nationalspieler, der für sein Land gute Leistungen zeigte, zuletzt mit seinem Verein aber in die 2. Liga des Landes abgestiegen war und nur unterklassig spielte. Verteidiger Derek Cornelius spielt für Kanada, hat auch Erfahrung in Deutschland gesammelt. Flügelflitzer Bangoura galt einst als Top-Talent, und trotz einer gewissen Stagnation in den letzten Jahren verfügt er über einige Erfahrung in La Liga. Alles in allem ein interessanter Spielerpool.

Die Frage dabei: Wie schnell kann Trainer Dos Santos diesen Spielerpool zu einer Mannschaft formen? Erfahrungsgemäß dauert das einige Zeit, eingespielt kann diese Truppe zu Beginn der neuen Saison unmöglich sein. Bestes Beispiel: Montreal Impact in 2018.

Fazit: Bei so einem extremen Umbau scheint eine Playoff-Qualifikation eigentlich nicht machbar. Selbst wenn sich der zusammengewürfelte Haufen relativ schnell findet, könnten verloren gegangene Punkte zu Saisonbeginn später schmerzen. Ein Erreichen der Playoffs wäre eine dicke Überraschung.

LA GALAXY

Am letzten Spieltag der Regular Season hätte Galaxy gegen das bereits ausgeschiedene Houston Dynamo einen Sieg gebraucht, um noch am spielfreien Sechsten der Western Conference, Real Salt Lake, vorbeizuziehen. Man ging 2:0 in Führung, alles lief gut, doch plötzlich brach alles zusammen. Nachdem Dynamo zum 2:2 ausgeglichen hatte, rannte LA an und kassierte letztlich sogar noch das 2:3. Vorbei waren die Playoff-Hoffnungen. Der Rekordmeister stand mit leeren Händen da.

Was folgte, war einiges Hickhack. Zunächst kam mit Dennis te Kloese ein neuer General Manager. Der startete die Trainersuche, hier schien Caleb Porter schon wie der kommende Coach auszusehen, um am Ende bei Columbus Crew anzuheuern. Doch Galaxy ließ sich nicht lumpen, mit Guillermo Barros Schelotto (Boca Juniors) unterschrieb eine echter Starcoach in Los Angeles, der gerade noch im Finale der Copa Libertadores stand. Gleichzeitig war ein Verbleib von Ibrahimovic fraglich, er kokettierte mit dem AC Milan, um am Ende doch seinen neuen Vertrag zu unterschreiben. Womit das Franchise gleichzeitig eine weitere Baustelle aufmachte: Mit Zlatans Designated-Player-Contract ist dieser nun DP Nummer 4, wobei nur 3 erlaubt sind. Ein Problem, das noch zu lösen ist. LA Galaxy ist eben ein echter Hollywood-Klub.

Wie geht es 2019 mit LA weiter? Keine Frage, das Ausscheiden nach der Regular Season war eine Überraschung. Der Kader ist gespickt mit starken Spielern, zu einem großen Teil deutlich über MLS-Durchschnitt. Doch irgendwie war der Wurm drin, gerade in der Defensivarbeit haperte es gewaltig. Nicht umsonst kam mit Diego Polenta ein erfahrener Innenverteidiger, der sich klar durchsetzen sollte. Der Uruguayer war Kapitän seines Klubs Nacional, gewann Titel mit dem Verein. Im Juli 2018 verlängerte er seinen Vertrag nicht, wollte sich einfach eine Auszeit nehmen. Laut Medienberichten soll er dabei unter anderem sogar Angebote von Leeds United und dem mexikanischen Klub Atlas ausgeschlagen haben.

Was kann das Team erreichen, das bis auf wenige Änderungen fast den kompletten Kader des Vorjahres zur Verfügung hat? Mit einem Zlatan Ibrahimovic, der bereits letzte Saison wie erwartet für echte Highlights sorgte, mit all den großen Namen im Kader, kann es eigentlich nur darum gehen, WIE weit man kommt. Erneut noch vor den Playoffs scheitern? Keine Option!

Fazit: LA Galaxy wird sich in der Western Conference klar durchsetzen und sich für die Playoffs qualifizieren. Mit einer besseren Abwehrarbeit kann es durchaus weit gehen. Auch das MLS-Cup-Finale könnte dann möglich sein.

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